Interview mit Patty McGee (Stars)

„Popmusik ist Tanzmusik“

Mit „No One Is Lost” ist den kanadischen Stars (mal wieder) ein Album gelungen, das inhaltliche Schwerpunkte nonchalant in unwiderstehliche Genussmomente zu wandeln versteht. Bevor es für die Dame mit vier Buben auf große Fahrt (USA – Europa – Kanada) geht, fand Schlagzeuger Patty (man darf ihn auch Pat oder Patrick nennen) McGee die Zeit für einen interkontinentalen Gedankenaustausch, dessen Essenz ein Hohelied auf die hohe Liedkunst ebenso abgibt, wie ein Hoch aufs deutsche Publikum, das sich aber bis zu den geilen Sausen mit Stars noch etwas gedulden muss.

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Patty McGee / Stars (Norman Wong)

Patty McGee / Stars (Norman Wong)

amusio: „Es war zu vernehmen, dass die Gay-Disko im Basement Eures Etagenstudios maßgeblichen Einfluss auf Euer neues Album genommen hat. Ein Gerücht oder nichts als die Wahrheit?“

Patty McGee: „Also, zunächst einmal möchte ich hervorheben, dass es sich bei der Gay-Disko um einen Queer-Club gehandelt hat. Da lief so ungefähr alles herum. An dem Tag, als wir unsere Aufnahmen für abgeschlossen erklärten, machte der Laden dicht. Vielleicht weil er aufgrund unserer täglichen Besuche genügend Umsatz gemacht hatte?!“

amusio: „Aber die Songs waren doch schon fix, bevor Ihr Studio und Club bezogen habt?“

Patty McGee: „Stimmt. Es war unsere Absicht ein Tanzalbum zu machen. Aber wenn Du dann den ganzen Abend, die ganze Nacht, den 4/4-Beat oder diesen Rihanna-Song unter den Füßen spürst, dann hast du nur eine Wahl: abhauen oder mitmachen. Wir haben uns für das Letztere entschieden.“

amusio: „,No One Is Lost‘ war also bereits im Vorfeld als Tanzalbum konzipiert. So wie Eure früheren Alben auch, die stets einen thematischen und emotionalen Schwerpunkt besaßen, so wie Wut, Trauer, Lieben oder Nicht-mehr-lieben…“

Patty McGee: „Genau. Zum Glück verfügen wir mit Torquil Campbell über einen außergewöhnlich einfühlsamen Songschreiber, der die kollektive Stimmungslage innerhalb der Band exakt zu treffen weiß. Es lässt uns dabei immer ausreichend Spielräume, in denen wir als Kollektiv zusammenfinden und feststellen, dass wir mal wieder auf einer Wellenlänge sind. Das mag unglaublich scheinen, ist aber so.“

amusio: „Und so habt Ihr mit dem Opener ,From The Night‘ eine Hymne aufs Nightclubbing erschaffen…“

Patty McGee: „Yeah, aber dieser Track hat mit Abstand die meiste Zeit benötigt. Die Balance aus Erregung, Hingabe, Vorfreude und schlimmen Vorahnungen locker hinzubekommen, das hat uns in besonderem Maße herausgefordert. Aber im Ergebnis liebe ich den Song, ich denke auch, dass er etwas ganz Besonderes darstellt. Sechs Minuten Entrücktheit.“

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