Feine Alternativen zum Alternativen

Dystopia vs. Ironiezwist

Villalog aus Österreich bilden dann mal den Auftakt zum heutigen Rundumschlag in Sachen „erwähnenswerte Veröffentlichungen zur Zeit“. Mit „Spacetrash“ (Klangbad, Broken Silence, ab 14. November). Villalog können Can und wurden sodann von Hans Joachim Irmer (Faust) dazu ermutigt, ihre Zeit in den dezidiert retro-futuristischen Brocken Weltallmüll zu investieren. So man es auch mit der Zeit leid sein kann, immer wieder den Krautrock zu bemühen, um das Hypnotische vom Banalen zu scheiden, so schießen Villalog doch recht fix und flüssig in die Feder.

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Düsseldorf oder Neuss?! Villalog "Spacetrash" (Klangbad)

Düsseldorf oder Neuss?! Villalog „Spacetrash“ (Klangbad)

Denn sie bleiben überwiegend auf dem Boden abgeraumter Tatsachen, stehen dabei Chrome phasenweise näher als die üblichen Verdächtigen. Inhaltlich zwischen „Düsseldorf Dub“ und Godard-Filmen oszillierend, knallt das Ganze beim Rausschmeißer „Wall Of Echoes“ derart widersinnig sinnvoll durch sämtliche Membranen, dass der Gelbe Schein (und eben nicht die Gelbe Karte) in Aussicht zu stehen hat. Wer dann noch meint, klassische Industrialsounds vernommen zu haben („Bassknopf“), der liegt ganz und gar nicht so verkehrt.

Ein bis zwei Gänge runter (aber noch längst nicht in den Leerlauf) schaltet Mr. Mitch (Miles Mitchell) auf seinem endlich zur Veröffentlichung anstehenden Output „Parallel Memories“ (Planet Mu Records, ab 1. Dezember). Der Londoner hält das Fähnlein des zu schnell in Vergessenheit geratenen Grime aufrecht: Mit Bedacht, Ruhe und jeder Menge Trauer, die sich ihres Urhebers nicht schämt. Die Grundidee der Parallelwelt hält Mr. Mitch dabei durch: Jeder Sound scheint seinen synchronen Wiedergänger mit sich zu führen, exzellente Gestaltung führt hier an den Rand überaus reizvoller Schizophrenie.

Grime revival par excellence: Mr. Mitch (Planet Mu)

Grime revival par excellence: Mr. Mitch (Planet Mu)

Ob das noch als ungefährlich deklariert gehört, das mögen Psychoanalytiker, Neurologen und andere Lalla-Doktoren entscheiden. Aus Sicht eines Musikliebhabers bleibt Mr. Mitch auf freiem Fuß, wenn auch mit überreichlich Tränen im Knopfloch. Ein sehr nachdenkliches und dennoch (oder gerade deswegen) überaus einnehmendes Album. Slowed down is the new down. FSK: Ab 21!

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