Meisterwerke der polnischen Musik XVI

Invocazione Per strumenti

1969 feierte man sie beim 43. Weltmusikfest in Hamburg für ihr opulent instrumentiertes Werk Septem Tubae, in dem Chor, Orchester und Orgel wohl in Anspielung auf die legendären Trompeten von Jericho Kirchen und Konzertsäle dynamisch ausfüllen. Bernadetta Matuszczak, die 1931 in Toruń geboren wurde, gehört zwar zum Kreis der schon teilweise avantgardistisch ausgerichteten Komponistinnen um Marta Ptaszynska, Joanna Bruzdowicz und Krystyna Moszumanska, sie fühlte sich aber noch mehr als diese zur Vokalmusik hingezogen, wobei sie sowohl den geistlichen als auch den weltlichen Acker auf sehr eigene Manier bestellte: Davon zeugen ihre Invocazione für 10 Stimmen, Flöte, Kontrabass, Theorbe und Gong (1968), die Psalmen in der gleichermaßen unkonventionellen kammermusikalischen Besetzung aus Bariton, Rezitator, Harfe, Kontrabass und Schlagzeug von 1972, die Epigramme für Männerchor a cappella von 1980 ebenso wie Canto Solenne, eine Kantate aus dem Jahr 1995.

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Wer mehr über Bernadetta Matuszczaks Werk erfahren will, ist hier gut beraten: Musical Life in Poland: The Postwar Years 1945 - 1977 (Musicology Series) von Lidia Rappoport-Gefland (ISBN 13: 978-2881243196) .

Wer mehr über Bernadetta Matuszczaks Werk erfahren will, ist hier gut beraten: Musical Life in Poland: The Postwar Years 1945 – 1977 (Musicology Series) von Lidia Rappoport-Gefland (ISBN 13: 978-2881243196) .

Noch farbiger fallen die Register aus, die Bernadetta Matuszczak mit ihren international ausgerichteten Bühnenwerken zog: Nach T.S. Eliots The Hollow Man schrieb die Schülerin von Nadia Boulanger, Zygmunt Sitowski und Irena Kurpisz-Stefan ein Kammerdrama (1966), die Oper The mystery of Heloise wurde 1974 veröffentlicht, die griechische Mythologie beflügelte sie mit der musikalischen Gestaltung von Aischylos‘ Prometheus (1981), 1990 kam das Andersen-Märchen Die wilden Schwäne aus ihrer Werkstatt auf die Bühne. Zuletzt schuf sie für das Musiktheater 2008 eine dramatisierte Version von Dostojewskis Verbrechen und Strafe (Zbrodnia i kara). Sie erhielt 1967 für ihre Musica da camera, in der drei Flötisten und ein Schlagzeuger auftreten, die begehrte Ehrung der Jeunesses Musicales, nachdem sie bereits mit dem Preis der Jungen Polnischen Komponisten zwei Jahre zuvor ausgezeichnet worden war. Zum Gedenken an eines ihrer Vorbilder, Karol Szymanowski, komponierte sie 1987 ein dreiteiliges Notturno für Cello solo.

matuszczak (Polish Music Center)

Erfolgreich als Komponistin und Pianistin: Bernadetta Matuszczak (geb. 10.3.1931 in Toruń) (PMC)

Ein wenig an die klangkontrastiven „Experimente“ ihres russischen Kollegen Dmitrij Schostakowitsch – etwa an sein Konzert für Trompete, Klavier und Streichorchester – erinnert Matuszczaks Per strumenti mit Bassklarinette, Trompete, Schlagzeug und Streicher, das ebenfalls im sehr produktiven Jahr 1969 erschien. Zwar edierte der Musikverlag PWM in Kraków die meisten Kompositionen aus ihrer Hand, doch hat sich die Tonträgerindustrie bislang spröde mit Veröffentlichungen von Aufnahmen gezeigt; es bleibt zu hoffen, dass ihr vielseitiges Werk dadurch bald auch für ein größeres Hörerpublikum erschlossen wird.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.