Das Gebäude 9 zu Köln hat sie ein weiteres Mal überlebt: Die für ihre notorische Unberechenbarkeit sowie ihren Hang zum sowohl Brachialen als auch zum Exzess berühmt berüchtigten Art-Punkrocker auf der Spur der Toten. Viel Tamtam und Totem. Kein Tabu. Auch nicht für den imponierend souverän agierenden Jason Reece, noch fix ein launiges Gespräch zu führen, bevor er gleich zwei Gigs hintereinander bestreiten wird. Zunächst bei Midnight Masses aufs Kit dreschend, steht anschließend – nach Your Favourite Enemies, der insgesamt dritten Band eines denkwürdigen Abends als Intermezzo – die große Sause mit seiner Hauptband an. Jason Reece ist halt völlig der Musik verfallen, wie er nachdrücklich zugibt.

So sieht Vorfreude aus: Jason Reece (Stephan Wolf)
So sieht Vorfreude aus: Jason Reece (Stephan Wolf)

amusio: „Euer aktuelles Album „IX“ handelt vom Verlust. Und wer das nicht nachempfinden kann, der hat Eurer explizit gemachten Meinung nach das Recht auf Leben verwirkt. Aber ist Verlust nicht auch eine Form der Befreiung? Und ist dieser Aspekt nicht auch ein thematischer Bestandteil des Albums?“

Jason Reece: „Deine Ansicht kann ich nachvollziehen. Was den Aspekt der zumeist unfreiwilligen Befreiung betrifft, stimme ich Dir zu: Über das, was wir verloren haben, sollten wir uns eigentlich keine Sorgen mehr machen. Egal ob es sich dabei um den Verlust von Freunden, Jobs, Besitztümern oder Körpergewicht handelt (lacht). Und wer sein Leben verloren hat, sowieso nicht. Was das Album betrifft, so finde ich es toll, wenn die Leute sich damit auseinandersetzen, und, so wie Du, ihre eigenen Schlüsse ziehen.“

amusio: „Einige Kritiker haben im Zusammenhang mit „IX“ von Stagnation gesprochen. Was hältst Du von dieser Ansicht?“

Jason Reece: „Diese Kritiken kenne ich nicht, unser Management lässt uns nur die euphorischen Top-Reviews zukommen (lacht). Aber weißt Du, wenn man ein Album eingespielt hat, sollte es einem Wurscht sein, was die Kritiker schreiben. Die Hauptsache ist doch, dass sie was zum Schreiben haben. Dass es Dir gelungen ist, eine Platte fertigzustellen, mit der Du zufrieden bist. Oder auf die Du im besten Falle sogar stolz bist. Natürlich mögen positive Rezensionen mit dazu beitragen, dass sich die Platte besser verkauft. Von daher ist Stagnation doch gar kein schlechtes Verkaufsargument. Denn Fans mögen es im Allgemeinen nicht so sehr, wenn eine Band ihren Stil allzu sehr verändert. Doch es war sicherlich nicht unsere Absicht ein stagnierendes Album zu erschaffen. Würden wir den uns unbekannten Kritikern zustimmen, sollten wir uns sofort auflösen.“

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