Mit dem ihm eigenen eleganten Sinn für Selbstironie und konzertanter Überhöhung kredenzt Max Raabe mit seiner am 28. November in den Handel gelangenden CD/DVD „Eine Nacht in Berlin“ (Decca Black/Deutsche Grammophon/Universal Music) ein begeisterndes Dokument seines künstlerischen Status quo. Dabei besticht vor allem die originelle Machart der DVD, die souverän Konzertmitschnitt und zusätzliche (Spiel-) Szenen zu einem eindrucksvollen Dokument der Einzigartigkeit des Herrn Raabe und seines Palast Orchesters ausgestaltet.

100 % Souverän und stilsicher: Max Raabe (Dekka Balck/Deutsche Grammophon/Universal Music)
100 % Souverän und stilsicher: Max Raabe (Dekka Balck/Deutsche Grammophon/Universal Music)

Dass dabei neue Songs und das vertraute Liedgut der zwanziger Jahre übergangslos ineinander greifen, bedarf ohnehin keiner weiteren Hervorhebung. Fans dürfen sich mit dieser Veröffentlichung also mehr als reich beschenkt fühlen.

Niemand radelt so souverän im Frack durch das sommerabendliche Berlin wie Max Raabe. Das weiße Hemd überstrahlt das ordnungsgemäß funktionierende, klassisch per Dynamo angetriebene Vorderlicht. Dann bindet dieser Galan der Stimme, noch auf dem Sattel thronend und in gemächlicher Fahrt, seine Fliege. Großes Kino! Dabei hat er allen Grund zur Eile, denn das Palast Orchester hat bereits mit der Ouvertüre zu seinem Konzert angefangen. Doch Max Raabe ist natürlich auch ein Meister des Timings. So stellt er sein Rad in aller Ruhe am Admiralspalast ab und erreicht ruhigen Atems die Bühne, wo er dann auch sofort mit dem Lied „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt“ durchstartet. Das macht ihm keiner nach!

Dieser rührend komische und doch angemessen kecke Auftakt zur Konzert-DVD zeigt beispielhaft den besonderen Charme der Produktion auf. In diesem Tenor fühlt sich Max Raabe wohl, sein bis zum Understatement reichendes Augenzwinkern ist für ihr keine Entschuldigung für mangelnde Perfektion. Dass er sich dennoch durchgängig Leichtigkeit bewahrt, zeugt von einem gereiften Künstler, der seinen internationalen Ruhm beim Heimspiel in überaus rührende Gesten der Verbindlichkeit umzumünzen weiß.

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