Different Every Time

Anthologie wahrer Größe: Robert Wyatt

Wollte man der soeben erschienenen Doppel-CD „Different Every Time“ (Domino Records/GoodToGo) das Prädikat „überfällig“ verleihen, so träfe es die Sache nicht ganz. Denn jede Veröffentlichung die einen Robert Wyatt im Schilde führt, könnte die Überfälligkeit für sich in Anspruch nehmen. Zu stilbildend, zu eigensinnig, zu mächtig, zu zerbrechlich – alle Attribute vereint der würdevoll gealterte Mitbegründer der Soft Machine auf sich. Und nimmt sich den dabei ihm gebührenden Respekt nicht allzu sehr zu Herzen, wie seine auf „Different Every Time“ in Hülle und Fülle vertretenen Kooperationen nahelegen.

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Bart, Stimme, Kopf & Geist: Robert Wyatt (Domino Records)

Bart, Stimme, Kopf & Geist: Robert Wyatt (Domino Records)

Die erste CD des Kompendiums („Ex Machina“) erweist sich als idealer Einstieg in das Schaffen des gleichermaßen exzentrischen wie verbindlichen Künstlers Wyatt. Exzellent gewählt wurde vor allem das an den Beginn gesetzte, gut neunzehnminütige „Moon In June“, ein Meisterwerk der Canterbury-School of Artrock. Also für Novizen ein willkommener Anlass, auch jene Ursuppe weiter zu erforschen, aus der Robert Wyatt entstieg: Soft Machine. Mag das soeben gewählte Verb für jemanden, der querschnittsgelähmt ist, auch etwas unpassend erscheinen: Auf einen Künstler, der sich von den Unfallfolgen (Fenstersturz im Partyrausch, 1973) nicht vom Ausleben seiner Kreativität hat abbringen lassen, trifft das kontinuierliche Entsteigen und Erheben umso mehr zu.

Nach den beiden sich „Moon In June“ anschließenden, die späteren Charakteristika seiner Solo-Karriere vorwegnehmenden Songs der ersten Post-Soft Machine-Phase – mit seiner Band Matching Mole („Signed Curtain“ sowie den „God Song“ live) – taucht der geneigte Hörer in die ureigene Liedwelt des vorbehaltslos komponierenden und stets mehrdeutig textenden Genius ein. Wer allerdings im Hauruckverfahren in Erfahrung bringen möchte, wie gewitzt Robert Wyatt zu arrangieren versteht, der rücke vor bis auf seine Version des Chris Andrews-Blödsinnsongs „Yesterday Man“: eine der großartigsten Coverversionen der Pophistorie!

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