Zu behaupten, DJ Jondal gehöre zu den Profiliertesten seiner Zunft, erscheint angesichts seiner qualitativ und quantitativ herausragenden Veröffentlichungen als glatte Untertreibung. Als Meister von stilvoll-eleganten und anspruchsvoll aufbereiteten Lounge und Chillout Sounds markiert er seit Jahren die absolute Weltspitze. Über 2000 Stunden Lounge-Radio schlagen dabei ebenso zu Buche wie seine mittlerweile 88 (!) Compilations auf CD. So legt der deutsch-amerikaner DJ Jondal dieser Tage mit der achten Ausgabe seiner „Obsession Lounge“ (Clubstar/Soulfood) einen weiteren Nachweis seiner nahezu einzigartigen Güte vor. Mehr als ein Grund genug, um einmal bei ihm nachzufragen, wie es ihm gelingt, das eigene Niveau zu halten, wenn nicht gar immer weiter zu steigern: Get Jondalized!

DJ Jondal (Steffen Gottschling)
DJ Jondal (Steffen Gottschling)

amusio: „Zahlreiche Selbstversuche haben ergeben, dass sich Deine Arbeiten kaum zum beiläufigen Nebenher eignen. Geradezu imperativ gebieten sie aufmerksames Hinhören – und laden zugleich auf unwiderstehliche Art zum entspannten Abdriften ein…“

DJ Jondal: „Tatsächlich erschaffe ich meine Musik, damit sie aufmerksam im Ganzen gehört und genossen wird. Darum basiert sie stets auf einem durchgängigen Mix von Tracks, deren Flow innere Bezüge aufweist. Ein einzelner, aus dem Zusammenhang gerissener Track kann diese Bezüge nicht vermitteln, der charakteristische Flow lässt sich in der Zerstückelung allenfalls erahnen. Mein Ziel ist es, entspannte Aufmerksamkeit zu erlangen: Der Hörer soll mit der Musik abschalten und idealerweise zwei Stunden gelassen am Stück genießen können, das ist mein Credo.“

amusio: „Welche Kriterien greifen bei der Auswahl Deines Ausgangsmaterials?“

DJ Jondal. „Ich war jahrzehntelang international als A&R-Manager tätig. Von daher verfüge ich nicht nur über fundierte Kenntnisse des Musikbusiness, sondern auch über ein sehr feines Gespür für Qualität. So bin ich grundsätzlich immer an hochwertigen Einspielungen mit echten Instrumenten interessiert. Musik, die nur aus Samples und der Verwendung von Plug-Ins besteht, findet vor meiner Urteilskompetenz kaum Gnade. Eine gelungene Synthese aus konventionell und elektronisch erzeugter Musik erachte ich als Minimalanforderung.“

amusio: „Dieser Anspruch erscheint, im besten Sinne, recht konservativ. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, wie einfach sich insbesondere Chillout oder Lounge heutzutage produzieren lassen…“

DJ Jondal: „Sicher, den Möchtegernmusikern wird es mittlerweile unglaublich leicht gemacht. Es gibt soviel Software, mit der es mit relativ geringem finanziellen und zeitlichen Aufwand möglich ist, daheim am Computer etwas zu erschaffen, das dann vielleicht wie Pink Floyd oder Moby für Arme klingt. Man nehme drei Akkorde, unterlege sie mit einem vorprogrammierten Beat und nennt das Ganze dann Downbeat-Chill oder Lounge. Gerade diese Genres wurden in den letzten Jahren immens überstrapaziert. Doch das ist leider normal, der Erfolg zieht Trittbrettfahrer nun einmal nach sich.“

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