Obsession Lounge 8 (Clubstar/Soulfood)
Obsession Lounge 8 (Clubstar/Soulfood)

amusio. „Der bis heute andauernde Erfolg war bei den Anfängen von ,Café del Mar‘ noch nicht absehbar, oder doch?“

DJ Jondal: „Als Anfang der 90er José Padilla auflegte, da habe ich ihn bewundert und er wurde einer meiner Mentoren. Aber jenes Balearic Feeling, das mit der Musik heraufbeschworen wurde, das wurde damals auf Ibiza auch wirklich gelebt! Es war absolut authentisch, ehrlich und echt. So hat sich der spezielle Sound manifestiert, potenziert noch durch die Sonnenuntergänge, die ganz eigene Stimmung. Doch dann hat sich das alles, vor allem auch die Begrifflichkeit, weiter popularisiert und tauchte plötzlich an Stellen auf, wo sie überhaupt nichts verloren hatte. Dann gab es auf einmal minimalistische Supermarktmusik, die sich ,Café Irgendwas‘ nannte, zum Leidwesen der guten Produzenten. Darum gebe ich auch nichts mehr um Kategorien wie Lounge, Chillout, Easy Listening oder Muzak, da gibt es viel feinere Nuancierungen.“

amusio: „Warum sind denn die guten Lounge Produzenten inzwischen so rar geworden?“

DJ Jondal: „Der wichtigste Aspekt meiner Arbeit entfällt auf die Recherche, sie macht einen Großteil meiner Arbeit aus. Bei vielen anderen scheint es damit zu haken, aus Gründen, die ich nicht immer nachvollziehen kann. Es geht ihnen die Luft aus. Vielleicht sind sie zu sehr damit beschäftigt, für russische Milliardäre aufzulegen (lacht). Viele, nicht alle, gehen einfach nicht in die Tiefe. Da fehlt es an Liebe oder der Muße, sich mit Titeln und Sounds intensiv auseinanderzusetzen.“

amusio: „Und wie gehst Du stattdessen vor? Wie darf man sich Deine Recherchetätigkeit vorstellen?“

DJ Jondal: „Ich unterhalte ein Netzwerk von über 150 Produzenten in der ganzen Welt. Sie spielen mir tagtäglich ihre taufrischen Files zu. Dann setze ich mich hin und wähle aus: Die Guten ins Töpfchen. Aus diesem Puzzle entsteht dann das Bild, die Idee für eine weitere Compilation. Bevor also eine Veröffentlichung von mir erscheint, kenne ich die Titel zum Teil schon seit über einem halben Jahr. Mit meinen Mixen vereine ich Produzenten, die sich untereinander womöglich noch nie die Hand gegeben, einander noch nie persönlich kennengelernt haben. Aber vielleicht kommen sie alle mal zu einem großen Festival zusammen. Das ist ein Traum von mir, aber ich lebe und verwirkliche gerne meine Träume.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert