Obsession Lounge 7 (Clubstar/Soulfood)
Obsession Lounge 7 (Clubstar/Soulfood)

amusio: „Hast Du ein Erfolgsrezept?“

DJ Jondal: „Rezepte habe ich allenfalls im Kochbuch. Aber eine Compilation oder ein Radioprogramm muss sofort packen! Und dabei ist der Anfang immer das Schwierigste, das Anspruchsvollste.
Wenn der erste Titel nicht kickt, wird nicht weitergehört, wird abgeschaltet. Die Hörer wollen von Beginn an gefesselt werden. Mit einem Beat, einer Stimme, einem Sound. Mit etwas, auf dem sich das Folgende aufbauen kann und weiterentwickelt. So verknüpfe ich die einzelnen Tracks, tausche sie wieder aus, so lange bis der optimale Flow entsteht. Dabei tauchen Teile oder Themen im Verlauf wieder auf; das können zum Beispiel minimale Sequenzen sein, die eigentlich zu einem anderen Track gehören. Oder, ein anderes Beispiel: In ersten Track erklingt ein Piano in A-Moll, im zweiten Track auch, also reagiert das zweite Klavier auf das erste, sie harmonieren. Darum ist es mir auch wichtig, dass sich die Hörer meine Mixe im Ganzen zu Gemüte führen. Beim Zappen von Track zu Track kann man die Finessen und Übergänge, die inneren Bezüge und Überlagerungen nicht nachvollziehen.“

amusio: „Musst Du nicht befürchten, Deine Hörer zu überfordern?“

DJ Jondal: „Es kommt darauf an, jegliche Überforderung zu vermeiden. Die Vielschichtigkeit soll ja zu einem intensiven Hörerlebnis einladen, keinesfalls abschrecken. Aber – mit dem Aufwand, den ich betreibe, lässt auch heute noch punkten. Die Menschen, die ich erreiche, sind zumeist gestandene Leute, die in ihrer Jugend noch bis zum After-Afterhour-Rave durchgemacht haben, die aber heute dennoch nicht auf coole Mucke und anregende Mixe verzichten wollen. Dieses gesetztere Publikum nimmt sich dann auch bewusst Zeit für die Musik. Wenn schon, dann richtig. Es verlangt auch nach einem haptischen Erlebnis, nach einer ansprechend gestalteten CD. Mit klanglich minderwertigen Files gibt man sich nicht ab. Darum schöpfe ich das Doppel-CD Format auch voll aus. More music, more value! Auch daran erkennen die Hörer meine Fingerprints; sie können den typischen Jondal-Sound auch aufgrund seiner Durchgängigkeit, seines sich über zwei Stunden hinwegziehenden Flows identifizieren.“

amusio: „Und wodurch zeichnet sich der Jondal-Sound inhaltlich aus?“

DJ Jondal: „Er ist stilistisch abwechslungsreich, mal soulig, mal funkig, mal jazzig. Auch klassische Anleihen verbinde ich mit abgefahrenen Breakbeats oder Drum’n‘Bass, bei mir finden sich all diese Facetten. Zudem verwende ich auch verfremdete Zitate aus der Rockmusikgeschichte, da wundern sich die Leute, wenn sie auf einmal Led Zeppelin oder Jimi Hendrix wiedererkennen, nur in einem komplett anderen Gewand, aber ohne das Original zu vergewaltigen. Ich setze mir da keine Grenzen. Ein Kreativer darf ich nicht überlegen, ob irgendwem irgendwas vielleicht nicht gefallen könnte. Bevor man sich anbiedert, sollte man lieber aufhören.“

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