Niclas Engelin verschafft sich selbst Konkurrenz, am liebsten aus höchstpersönlichem Antrieb und im eigenen Domizil. Kaum ist er mit „Siren Charms“, dem aktuellen Album seiner Hauptband (?) In Flames ums Haus gezogen, zockt er mit „Raven Kings“, dem vierten Album seines Nebenprojekts (?) Engel, geflissentlich zackig hinterher. Wobei ihm mit Mikael Sehlin ein Sänger/Shouter zugelaufen ist, um den man ihn ebenso beneiden könnte, wie um seine ungebändigte Lust an der Arbeitswut. „Raven Kings“ (Gain/Sony, ab 28. November erhältlich), natürlich eigenhändig produziert und von Jacob Hansen (Volbeat) chilipepprig abgemischt, ist ein würdiges bis würdevolles Metal-Album, das ohne Verschubladung mit den Mitteln von Tradition und Innovation den Stand der Dinge im Hier und Jetzt markiert.

Engel, "Raven Kings" (Gain/Sony)
Engel, „Raven Kings“ (Gain/Sony)

Die Handschrift des Niclas Engelin, sie ist auf „Raven Kings“ omnipräsent. Das dürfte weniger verwundern als der Umstand, dass es dieser Kerl schafft, locker auf zwei Hochzeiten zu tanzen, deren zugrundeliegende Eheschließung nicht bereits nach kurzer Zeit beim Scheidungsanwalt neu verhandelt wird. Was Niclas Engeln anfasst, hat nicht nur Eier, Fuß und Hand, sondern auch Bestand! Weil ihm in Flammen allein nicht genügt, beweist er die Gangbarkeit der Polyamorie mit der quasi nach ihm benannten Zweitband.

Nach den Unterschieden zwischen beiden Lieben braucht nicht lange gesucht zu werden. Im Vergleich zu den (in einem Genre, das sie selbst entscheidend geprägt haben) genrekonform agierenden In Flames ziehen Engel die konservative Karte. Nachhaltig getragen von dem neuen Mann am Mikro, Mikael Sehlin, kommt klassicher Metal mit NWOBHM-Schlagseite zum Zuge. Dies aber alles in einer glasklar zeitgemäßen Anmutung, auch dort, wo selbst vor balladesken Einschüben nicht zurückgeschreckt wird („My Dark Path“). Denn mit prächtigen Prügelnummern wie „Salvation“ wird der Sack auch gleich wieder zu gemacht.

Ein hundert pro-Album, das allenfalls die Bandmates von In Flames unangenehm beunruhigen könnte. Aber gegenseitige Offenheit und ein übermenschliches Time-Management vorausgesetzt, dürften auch einer dritten Gespielin Eifersüchteleien erspart bleiben. Niclas Engelin hat es drauf. Sein Riff-Sidekick bei Engel, Marcus Sunesson, das sollte noch hervorgehoben werden, gleichermaßen.

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