Ihr Debütalbum „Neuropathy“ erntete in Szenekreisen Aufmerksamkeit und Anerkennung. Nun legt die 24jährige Wahl-Kalifornierin mit „Wanted: Songs Of Desire“ eine EP nach, mit der sie ihrer Vorliebe für Dark Wave Electro im weitesten Sinne huldigt. Ihren Coverversionen (And One, Diary Of Dreams, Clan Of Xymox, Blutengel) zwei Eigenkompositionen hinzufügend, bekennt sie sich zu einer Hingabe, die Fragen aufwirft. Fragen, die auf Identitätsfindung, Emanzipationsprozesse und die Freude an musikalisch verbriefter Selbstbespiegelung hinauslaufen. Fragen, die Ari Mason im Interview zu beantworten weiß.

Auf der Suche, selbstbewusst: Ari Mason (ariofficial.com)
Auf der Suche, selbstbewusst: Ari Mason (ariofficial.com)

amusio: „Wie kommt eine junge Frau in Kalifornien auf den Trichter, sich dem Dark Wave zu widmen?“

Ari Mason: „Ob es mit der Umgebung zu tun hat?! Ich bin in Long Island geboren und aufgewachsen, danach habe ich sechs Jahre in Cleveland, Ohio gelebt –  und hatte von nichts eine Ahnung. Ich war das schüchterne Mauerblümchen, das sich nicht sonderlich für Sport und die anderen Vollzugsweisen des üblichen Wettbewerbs begeistern konnte, sondern lieber schüchtern vor sich hin musiziert hat. Dann war da dieser Typ, ein außergewöhnlicher Mensch, mit dem ich mich anfreundete. Wir tauschten Mixtapes aus, nur hatte er mir viel mehr zu geben als umgekehrt. Er kannte sich mit Dark Wave, EBM und so weiter aus. Und da kam eine unwiderstehliche Resonanz in mir auf, ich spürte sofort: Das ist Musik, die meinem Wesen entspricht.“

amusio: „Kannst Du das etwas genauer erklären?“

Ari Mason: „Die langgezogenen Akkorde, die Überraschungseffekte, die Vielfältigkeit, mit der jede der mir angetragenen Bands ihren eigenen Stil zu kreieren wusste. Das hat mich mindestens ebenso beeindruckt, wie die dargebotene Weltsicht. Die Konfrontation mit den Schattenseiten des Lebens, die alle im Bekenntnis zur Sterblichkeit münden, dabei aber stets Hoffnung und letztlich auch vorbehaltslose Kraft und Lebensfreude vermitteln, das hat mich angesprochen, und ich habe geantwortet…“

amusio: „Dabei hätte Dir eine Karriere als klassische Musikerin doch nichts im Wege gestanden. Du bist eine ausgebildete Bratschistin und warst viel mit Orchestern unterwegs…“

Ari Mason: „Doch, ich hätte mir selbst im Weg gestanden. In einem Orchester zu spielen und zu touren, das ist primär Stress und intern politisch gewollte Reiberei. Hahnenkämpfe und Eifersüchteleien. Ich habe mich dazu entschlossen, diesen Weg nicht weiter zu gehen. Ich gebe zwar noch Unterricht, aber ansonsten kann mich zurzeit die klassische Musik mit all ihren Auflagen und Beschränkungen des künstlerischen Ausdrucks, dieser ständige Wettbewerb untereinander, mal kreuzweise.“

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