Von Prag aus auf Weltreise

Anspruchsvolle Patronage: Was vom Martinů-Quartett zu hören ist

Im Vordergrund des Repertoires der auch 2015 auf Konzerttourneen zu erlebenden Prager Formation steht nicht nur das etwas sperrige Kammermusikwerk des Namensgebers Bohuslav Martinů (1890 – 1959), sondern auch die romantischen Kompositionen Smetanas, Dvořáks und des bedeutenden tschechischen Vertreters der frühen Moderne, Leos Janáček sowie vieler auswärtiger Tonkünstler. Ursprünglich benannte sich das Quartett nach ihrem Gründer und ersten Violinisten Lubomír Havlák, seinerzeit Student von Professor Viktor Moučka am Prager Konservatorium. Libor Kaňka versieht heute den Dienst am Pult der zweiten Violine, den Bratschenpart spielt Zbyněk Padourek und als Vierte im Bunde ist die Cellistin Jitka Vlašánková zu hören.

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Eine Früh(est)begabung: Bohuslav Martinů um 1896 (B.M. Centre Policka) - Namensgeber des bekannten Prager Streichquartetts

Eine Früh(est)begabung: Bohuslav Martinů um 1896 (B.M. Centre Policka) – Namensgeber des bekannten Prager Streichquartetts

Das Streichquartett-Oeuvre des namengebenden Komponisten wurde von der Truppe zwischen den Jahren 1995 und 1997 komplett eingespielt. In letzter Zeit erschien auch Sylvie Bodorovás mahnendes Theresienstadt Ghetto Requiem erschien zusammen mit Robert Stevensons Quartett beim Label Arco Diva (2003) und 2007 wurden  Klavierquintette Martinůs in Verbindung mit ausgewählten Violinsonaten bei Naxos herausgegeben. Zuletzt nahm sich das vierblättrige Kleeblatt der Streichquartette 4-6 von Elliott Miles McKinley, einem amerikanischen Jazz-Experten und E-Musik-Komponisten an, die Navona Records 2012 pressen ließen.

Neue Einspielung der Truppe um Lubomir Havlak: Elliot Miles McKinleys Quartette 4-6 (B0055T96E2, 2012, Parma / Navona Records)

Neue Einspielung der Truppe umLubomír Havlák: Elliot Miles McKinleys Quartette 4-6 (B0055T96E2, 2012, Parma / Navona Records)

Suks Prager Schüler Martinů führte bekanntlich, bedingt nicht zuletzt durch die nationalsozialistische Besatzung und den Zweiten Weltkrieg, ein rastloses Künstlerleben, lebte seit 1953 eine Zeitlang in Italien und Frankreich, dann in der Schweiz und unterrichtete auch an der amerikanischen Musikakademie in Rom. In Paris beschäftigte er sich mit Jazz, Surrealismus und Neoklassizismus, nachdem er sich bereits intensiv mit Debussys und Strawinskys Werk auseinandergesetzt hatte. Daneben adaptierte er viel von Alter Musik, insbesondere von der Renaissancepolyphonie und dem Concerto grosso, ebenso von Beethovens Symphonien. Auf Martinů trifft – einmal mehr – gerade nicht das Klischeebild des „böhmischen Musikanten“ zu. Wer das Streichquartett live und in Lehre erleben will, der sollte sich für die Meisterkurse an der Südböhmischen Musikhochschule in České Budějovice  vom 19. bis 26. Juli 2015 anmelden.

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.