Interview mit Nino De Angelo

„Ich hätte diesen Schritt schon viel früher gehen sollen“

Nino De Angelo (Felix Rachor)

Nino De Angelo (Felix Rachor)

amusio: „Nun hast Du für ,Meisterwerke‘ einen beherzten Griff in die Schatulle von über vierzig Jahren deutschsprachiger Musikgeschichte unternommen. Einige Titel Deiner Auswahl möchte ich nun aufgreifen. Wie ,Goldener Reiter‘ von Joachim Witt. Er nimmt eine exponierte Position als Opener ein, Du hast ein sehr stimmungsvolles Video dazu gedreht. Was hat Dich dazu bewogen, diesen Klassiker aufzunehmen, der ja noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat als Dein eigener Großerfolg? Oder hättest Du einen Track wie ,Goldener Reiter‘ schon damals interpretieren wollen?“

Nino De Angelo: „Also, zunächst einmal finde ich Joachim Witt ganz ganz stark! Mich hat seine Art der Präsentation schon immer fasziniert. Damals hätte ich mir so etwas für mich nicht vorstellen können. Denn wenn man so einen Song macht, dann muss man schon einiges erlebt haben und wissen, wovon man spricht. Und ich habe ihn sicher nicht gecovert, weil etwa die Melodie oder der Refrain so gelungen sind. Dieser Song geht mit sehr nahe, da ich mittlerweile die Thematik am eigenen Leib habe erfahren müssen: Depressionen, Psychopharmaka etc.. Auch darum stellt ,Goldener Reiter‘ einen absoluten Key-Track des Albums dar.“

amusio: „Dass Du den ,Schwanenkönig‘ von Karat ausgewählt hast, war nicht unbedingt zu erwarten. Du weißt, dass Chris Roberts sich diesem Lied auch einmal zugewendet hat?“

Nino De Angelo: „Nein. Echt? Das ist mir neu.“

amusio: „Und zwar auf seinem 83er-Album ,…und dafür Dankeschön‘, das aber völlig in der Versenkung verschwunden ist.“

Nino De Angelo: „Nun denn, was auch immer Chris Roberts zu seiner Coverversion bewogen hat, bei mir hat es viel mit meiner Bekanntschaft zu dem 2004 leider verstorbenen Karat-Sänger Herbert Dreilich zu tun. Ihn lernte ich anlässlich einer „Tabaluga“-Tour kennen, wir unterhielten uns lange und intensiv. Wir konnten uns füreinander begeistern. Und wollten musikalisch etwas Gemeinsames unternehmen. Ich habe noch heute die Autogrammkarte mit seiner Telefonnummer. Als es daran ging, das Konzept von ,Meisterwerke‘ zu entwickeln, habe ich sofort an Herbert Dreilich und an den ,Schwanenkönig’ gedacht. Für mich war dieser Song sofort ein Muss, auch weil Herbert Dreilich und ich – wenn man so will – nun doch noch etwas gemeinsam machen.“

amusio: „Mit der extremen Sentimentalität des Titels hast Du also überhaupt kein Problem…“

Nino De Angelo: „Nein, im Gegenteil. Schließlich geht es um den Tod. An dem war ich ja auch schon näher dran als mir lieb war. Oder lieb ist. Ich mag diesen Song sehr, weil er so lyrisch ist, wie ein vertontes Gedicht. Er war und ist, wie man so sagt, mal was ganz anderes. Und dabei schlicht schön.“

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