Interview mit Japanische Kampfhörspiele (Fragmente)

„Nichts entsteht am Reißbrett, sondern alles im Ganzen so nebenbei“

The Köln Concert, 12/12/14, im Biotop der Bekloppten und selbstgerechten Gesinnungsgewinnler, dem Sonic Ballroom. Glühwein, Sion Kölsch aus transluzenten Flaschen, World Downfall als Vorfall, jähzornige Ausgeschlossene, die das Fassungsvermögen des Schuppens überschätzt haben. Denn wenn die Japanischen Kampfhörspiele eins ihrer raren Konzerte geben, blähen sich Pagoden mit essigsaurer Pressluft. Die Band zieht sie auf eine Ampulle, ihr Etikett ziert ein Wort: Lebenselixier.

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Live im Farbfernseh: Japanische Kampfhörspiele (Stephan Wolf)

Live im Farbfernseh: Japanische Kampfhörspiele (Stephan Wolf)

Welt ohne Werbung

Christof Kather (beim Ausfüllen des obligatorischen GEMA-Formulars): „Ich finde das nicht so schlecht. Funktioniert in etwa wie eine Rechtsschutzversicherung. Als wir noch bei anderen Labels waren, die schon mal ganz gerne GEMA frei in der Tschechei gepresst haben, hatten wir keine Ahnung von den effektiven Stückzahlen. Nun haben wir mit Unundeux unser eigenes Label, und wir zahlen drauf. Das gilt auch für Bands, die auf uns zukommen, um über uns zu veröffentlichen. Sie müssen bei uns alles selbst bezahlen, aber sie bekommen auch alles wieder raus, nur meistens eben nicht soviel, wie sie investiert haben. Für uns als Band ist das Label gut im Sinne der Kontrolle, doch es bleibt ein Geben und Nehmen. Ein Label ohne Releases ist kein Label. Das heißt aber nicht, dass wir jeden nehmen. Da kommen auch schon mal Bands auf uns zu, die ihre Musik ,richtig‘ machen oder auf musikalisch ultra-hohem Niveau sind, aber die lehnen wir natürlich ab.“

Bony Hoff: „Wir stellen den Vertrieb, der zum Beispiel gewährleitet, dass die Produkte online zu erwerben sind. Oder auch den Kontakt zu Promo-Agenturen her, die zum Beispiel relevante Redaktionen bemustern. Das ist schon ein erheblicher Unterschied, ob du deine Sachen Marke Eigenbau irgendwo hinschickst, da kriegst du im Normalfall gar nichts durch, oder ob eine Agentur das übernimmt. Ob wir eine Band übernehmen, hängt nicht unbedingt von ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten Genre ab. Da tun wir uns ja als JaKa selbst mit schwer. Oft entscheidet auch die persönliche Ebene, so bei Eisenvater oder auch bei 100.000 Tonnen Kruppstahl, die spieltechnisch nicht so dolle sind, die wir aber lustig und sympathisch finden. Das sind Typen, die einfach gut drauf sind, das ist wichtiger als die Aussicht auf Verkäufe. Es gab mal einen, der bei Unundeux ein Praktikum machen wollte weil er dachte, wir würden tagtäglich Büroräume unterhalten. Auch so kann man sich irren. Dabei agieren selbst weitaus bekanntere Krach-Labels wie etwa Relapse Records aus einer Garage heraus. Es ist lustig, wie so ein Label einem nach außen Seriosität verleiht. Es gibt nach wie vor viele, vor allem bei den jungen Leuten, die sich unter einem Label ganz naiv nach wie vor sonst was vorstellen. Manche Leute denken, wir könnten von unserer Musik und dem Label leben, das ist natürlich Quatsch.“

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