Interview mit Oleksiy Sakevych (Endless Melancholy) - Für Möffi (RIP)

„Ob die Japaner das melancholischste Volk auf Erden sind?“

Zum Abschluss der diesjährigen Interview-Runde haben wir uns mit dem ukrainischen Slow Core Neo-Classic und Ambient-Künstler Oleksiy Sakevych unterhalten, der als Endless Melancholy mit seinem dritten Album „Fragile“ ein melancholisches Kleinod geschaffen hat, das den Vergleich mit den international etablierten Künstlern dieses emotional tiefschürfenden Genres nicht zu scheuen braucht. Bei der Auseinandersetzung mit dem schwermütigen Schönklang durfte auch die Frage nach dem aktuellen Alltag in Kiew nicht fehlen…

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Oleksiy Sakevych (Endless Melancholy)

Oleksiy Sakevych (Endless Melancholy)

amusio: „Hallo Oleksiy, inwiefern unterscheidet sich Dein neues Album ,Fragile‘ von seinen Vorgängern ,Music For Quiet Mornings‘ und ,Epilogue‘? Oder denkst Du, dass alles einfach seinen gewohnten oder natürlichen Lauf genommen hat?“

Oleksiy Sakevych: „Nun, als Autodidakt versuche ich meine spielerischen und kompositorischen Fähigkeiten kontinuierlich zu erweitern. Ich hoffe natürlich, dass die Hörer meine Fortschritte auch auf meinen Veröffentlichungen nachvollziehen können. ,Fragile‘ dürfte sich vor allem durch einen markanteren Pianoklang sowie die live eingespielten Streichersektionen auszeichnen.“

amusio: „Das Leitmotif sowie die Atmosphäre der Melancholie hast Du beibehalten. Ist deren Reich ein angenehmer Aufenthaltsort?”

Oleksiy Sakevych: „Das kann ich nicht beurteilen, auch wenn mich die Melancholie ab und an in Beschlag nimmt. Sie erscheint manchmal in sehr dunklen, depressiven Vollzugsweisen, sie kann aber auch in milder, dann eher beglückender Form auftauchen. Kennzeichnend für die Melancholie ist jedoch, dass sie mich stets vollständig erfüllt. So durchzieht sie mein Schaffen wie ein roter Faden, an dem entlang ich mich entwickeln und reifen kann.“

amusio: „Hast Du eine persönliche Definition der Melancholie?”

Oleksiy Sakevych: „Nicht wirklich. Ich denke, dass es sich bei ihr um eine sehr persönliche Angelegenheit handelt, die sich nicht generell definieren lässt. Für mich ist sie sehr stark mit Nostalgie verbunden. In diesem Sinne hat mir auf You Tube ein Hörer mal etwas zu meinem Track ,Nostalgia‘ gepostet, das meinem Empfinden recht nahe kommt. Er schrieb, sinngemäß, dass der Trost, der sich in der Nostalgie offenbart, darin besteht, dass man sich die schönen Zeiten seines Lebens, die unbeschwerte Jugendzeit ohne Verantwortung oder auch den ersten Kuss und so weiter, erinnern kann, wodurch man sich versichert, dass es sie wirklich einmal gegeben hat, auch wenn sie unwiederbringlich vergangen sind. Nostalgie ist nicht nur ein Ausdruck von Traurigkeit, sie ist ein bittersüßes Glück.“

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