Hans Christian Andersen beendete die Arbeit an einer seiner populärsten Erzählungen, Den lille pige med svovlstikkerne – 1849 im Rahmen der Sammlung Eventyr herausgegeben – 1845 bei einem neuntägigen Aufenthalt auf Schloss Gravenstein in der Flensburger Förde. Der alte Adelssitz, auf dem er sie schrieb, steht in gewissem Kontrast zum bekannten Inhalt der immer wieder aktuellen Geschichte: Deren Tragik liegt darin, dass das arme Mädchen, das ohne Verdienst nicht nach Hause kommen darf, an einem kalten Silvesterabend wärmende Schwefelhölzer verkauft, selbst aber erfrieren muss. Das Märchenhafte besteht hier allenfalls in den Sequenzen der Träume, in denen das Kind beim Versuch, weitere Hölzchen zu entzünden, verfällt. In einem dieser Träume nimmt es seine Großmutter mit in den Himmel. Das Motiv lässt manchen Leser vielleicht an eine Szene in Theodor Storms Immensee denken, die allerdings für das bettelnde Kind auf der Straße am Weihnachtstag besser ausgeht: Der Liedersammler Reinhard schenkt ihm aus Verzweiflung braune Kuchen, weil er nicht fähig war, einer Zigeunerin und seiner Jugendliebe Elisabeth wirklich Gefühle entgegenzubringen.

So sah eine schwedische Illustratorin  das "kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" (Anne Anderson, pbl.d.)
So sah eine schwedische Illustratorin das „kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (Anne Anderson, pbl.d.)

Der dänische Komponist August Enna (1854 – 1939) nahm sich 1897 – wenn auch mit einer gewissen Verspätung gegenüber dem Erstdruck der Erzählung – als einer der ersten des Stoffs in größerem Umfang an, um ihn mit einer Oper im Wagnerschen Stil zu würdigen. Mehrere Male wurde diese von europäischen Bühnen aufgegriffen. Neben Bremen, Prag, Graz, Straßburg und Wien sorgten auch die Opernhäuser in Warszawa und Zürich für eine Aufführung. Das Schlussstück der Oper bildet in bitterer Ironie zur Erzählung selbst das Weihnachtslied Das Jesuskind in einer Krippe lag. Genau hundert Jahre später erlebte Helmut Lachenmanns gleichnamiges Werk in Hamburg seine Uraufführung an der Hamburgischen Staatsoper. Noch mehr Widerhall fand das traurige geselllschaftskritische „Märchen“ in der Pop- und Schlagermusik des 20. und 21. Jahrhunderts: Unter anderem Manuela sang 1968 eine Liedversion von Christian Bruhn nach einer Umarbeitung von Georg Buschor. Das Theater Eisenhand Linz brachte seine Matchgirl Opera 2009 auf die Bühne. Zwischen Film- und Popmusik changiert die Komposition der Schweden Anna von Hauswolff und Matti Bye mit dem Titel Hydra’s Dream aus dem Jahr 2013, die auf CD 2014 beim Label Denovali veröffentlicht wurde. Auch die finnische Symphonie-Metalband Nightwish bezog sich in einem ihrer Songs auf das kleine frierende Mädchen.

Der dänische Komponist August Enna ließ sich von Andersens Erzählung zu einer Oper inspirieren (Hver8Dag 1900).
Der dänische Komponist August Enna ließ sich von Andersens Erzählung zu einer Oper inspirieren (Hver8Dag 1900).

Angesichts der Flüchtlingsströme aus Syrien, von Elend und Hunger auch in unseren Tagen kann es sinnvoll sein, den Kauf einer Konzertkarte zuverlässigen Organisationen zukommen zu lassen, die sich um die direkte Hilfe an akut Notleidenden oder Menschen in schwieriger Situation kümmern: Beispielsweise geben Im Birdland Hamburg die Rockhouse Brothers mit einer spektakulären Rockabilly-Show am Tag vor Silvester um 20.00 Uhr ein Benefizkonzert, Erwerbslose haben freien Zutritt zum Silvesterkonzert um 12 Uhr im Nikolaisaal Potsdam. In Regensburg gibt es am Nachmittag vor dem diesjährigen Heiligen Abend im Theater am Bismarckplatz ab 14 Uhr ein großes Weihnachtsbefizkonzert zu hören. Das Programm steht unter der Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban mit Solisten des Hauses sowie dem Cantemus Chor. Der Erlös kommt vier Partnern zugute, die das Theater auch in den Vorjahren unterstützt hat, darunter dem Autonomen Frauenhaus und Frauennotruf Regensburg e.V.

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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