Heute ist es soweit. Endlich kann sich der geneigte Metaller mit Geschmack das gefühlt zigtausendste Cover mit Totenschädel-Motiv ins Regal stellen. Und das aus allerhervorragendsten Gründen. Denn mit „Wir sind Angst“ (Four Music/Sony Music) legen die Düsseldorfer Blitzkreuzler von Callejon einen salzsäuretrunkenen Drecksbatzen von Album vor, der die anfänglichen Schwachstellen der leidenschaftlichen Wundenwühler ratzeputz ausgemerzt hat. Es regiert, wer’s nicht negiert: Das allererste Metal-Highlight 2015! So kann es weitergehen … und scheiß auf den Alten Affen!

Callejon, "WIr sind Angst" (Four Music/Sony Music)
Callejon, „WIr sind Angst“ (Four Music/Sony Music)

Selbst den in feinsten Spuren noch vernehmbaren Reminiszenzen ans gemeine Düsseldorfer Killepitsch-Altherrngerummel („Neonblut“) haben Basti und Kumpane gehörig das Sabbermaul gestopft. Nein, ein „Wohohoo“ hier, ein „Uuuhuhuuuh“ dort – sie können den gewaltigen Eindruck weder schinden noch schmälern, den Callejon auf ihrem (endlich amtlichen) Meisterwerk hinterlassen. Es knallt mit Wut im Wundbrand, den üblichen Angstreflexen wird mit lustvoll plakativer Demaskierung (Textebene!) Paroli geboten: Wer hier schlappmacht, der bleibe lieber den Apokalyptischen Reitern (oder zur Not auch den angedeuteten Lokalmatadoren) treu.

Bemerkenswert, da im Ergebnis absolut stimmig, schlüssig und tight wie Fäzes, der Einläufe zum Erweichen benötigt: die konsequente Anwendung analoger Aufnahmetechnik. Der Dreck triumphiert über die Sterilität, in voller Blüte fruchten die Hassbrocken – mit Ausfahrtschildern versehen. Denn Callejon sind keine spätpubertierenden Defätisten ohne Durchblick, sondern lassen gelegentlich hinter die Fassade selbstgerechter Jungbärenbissigkeit blicken.

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