Oder 10600, beides geht! Am Freitag veröffentlicht der in Zürich ansässige (nicht nur) bildende Künstler Nuél Schoch mit „Centillion“ (popup-records/Cargo) ein Doppelalbum, das seinen numerisch hochtrabenden Namen durchaus zurecht trägt. Denn die Ideenfülle, mit der „Centillion“ aufwartet, entzieht sich wie schon bei den Vorgängern „Induelo“, „Companion“ und  „I Have No Arms And No Legs“ dem kleinen Einmaleins der schnellen Vereinnahmung. Es steckt mal wieder so viel drin, vor allem aber hypnotische Melodiebögen und angenehm angeschrägte Arrangements.

Kejnu, "Centillion" (popup-records)
Kejnu, „Centillion“ (popup-records)

20 Tracks, kein einziger Ausfall: das Format lebt! Selbst wenn der vom Feuilleton geadelte Dan Snaith den Postrock für sich entdecken würde, käme er als Caribou oder Manitoba vermutlich nicht an die wohlklingend weitreichende Diversität von „Centillion“ heran.

Schon dieser bemühte konjunktivische Verweis verdeutlicht das einzige Problem, das einem Nuél Schoch zu bereiten vermag: Wo soll der Schubladendenker das nun wieder verorten, wo ihm doch beim Genuss der zwei Scheiben alle Nase lang Erinnerungen an andere Künstler plagen, die Sekunden später von einer weiteren Ähnlichkeit wieder verdrängt werden?

So gefallen das gerne ins schwelgerische Abdriften und die entspannte Grundhaltung ebenso, wie die latent melancholischen Tünchungen sowie das neckische Schielen nach Space Rock und überformter LoFi Ästehtik. Das über sechsminütige „The Droning“ lässt da exemplarisch kaum noch Luft nach oben, nur um mit dem knapp achtminütigen „Amber Beach“ beinahe schon wieder in Vergessenheit zu geraten. Und an dieser Stelle ist gerade mal die Hälfte geschafft.

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