Heute erscheint mit „Matador“ (Hot Fruit/Caroline/Universal) der Nachfolger zu „Here Comes The Bombs”, mit dem es dem Backenbart-Charismatiker Gaz Coombes vor zwei Jahren gelungen war, sich in erwartungsgemäß selbstbewusster Weise von seiner Vergangenheit als Supergrass-Frontmann zu distanzieren. Doch sein Wille, Verletzlichkeit als Schutzschild gegenüber der Vergangenheit einzusetzen, nimmt erst mit „Matador“ eine Form an, die von seiner Fama abstrahieren lässt.

Gaz Coombes, "Matador" (Hot Fruit/Caroline)
Gaz Coombes, „Matador“ (Hot Fruit/Caroline)

Mag also das Stichwort „Seelenstriptease“ die Tonalität des neuen Albums vorgeben, so äußert sich diese Prämisse nicht als Damoklesschwert. Denn unabhängig von den lyrischen Annäherungen und Verwerfungen des Gewesenen verdient sich der selbsternannte „Matador“ seine Meriten mit phasenweise grandiosem Songwriting und einer durchgängig gelungenen Balance aus Emphase und Bescheidenheit.

Gaz Coombes vollzieht seinen Reifungsprozess ohne Gefahr zu laufen, seinem starken Ego die Zähne, Ecken und Kanten abzuschleifen. Wenn aus Pose Stil wird, dann erklingen Songs wie „Buffalo“, „20/20“ oder „The Girl Who Fell To Earth“, die Highlights auf „Matador“.

Das freie Spiel mit zahllosen Ideen, verbunden mit der Entschlossenheit, im Sinne des Erfinders brauchbare Ergebnisse nicht dem Zufall zu überlassen, kennzeichnen den Duktus des einst verhaltensoriginellen Britpop-Zampanos. Kraft seiner illustren Lebenserfahrung erweckt Gaz Coombes den Anschein, als wolle er in die Premier League der britischen Songwriter-Gilde aufsteigen.

Und wenn er auch aufgrund einiger kaum zu ignorierenden Schwachstellen (die individuell aufzufinden sind) noch nicht ganz zu Paul McCartney oder Elton John aufschließen kann, so hat er das Niveau eines Damon Albarn mit „Matador“ bereits erreicht. Und die „Road To Rouen“ endgültig verlassen.

13.02. Hamburg (Rock Café St. Pauli)
14.02. Berlin (Frannz)

Album-Sampler:
youtube.com/watch?v=W_Gry91znr8

gazcoombes.com
facebook.com/GazCoombes

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