Viereinhalb Jahre nach „Easy Wonderful“ erscheint am Freitag „Evermotion” (Nettwerk/Soulfood), das neue Album der Alternative Artpop-Musikanten Guster aus Boston. Mit Richard Swift (Shins, Black Keys) als Produzenten ist ein Werk entstanden, das mit seiner unaufdringlich komplexen Detailfreude sicher nicht an den Ohrwurm-Overkill des Überalbums „Keep It Together“ (2003) heranreicht. Weil es dies offensichtlich auch überhaupt nicht anstrebt. Stattdessen lieber mehrfaches Um-Die-Ecke-Hören einfordert, um in seiner ganzen Pracht erschlossen zu werden. Kein Song wie der andere, doch immer unverkennbar Guster.

Guuster, "Evermotion" (Nettwerk)
Guuster, „Evermotion“ (Nettwerk)

Angeblich ist „Evermotion“ innerhalb von neun Tagen entstanden, was für die personifizierten Augenzwinkerer insofern ein Novum darstellt, da sie zuvor stets monatelang an ihren Veröffentlichungen zu feilen pflegten. Es scheint, als hätten sie sich diesmal voll und ganz auf ihren Instinkt verlassen. „Richard hat uns geholfen herauszufinden, was bei den Aufnahmen wirklich wichtig ist“, so Gitarrist Adam Gardner. „Wir haben nur mit einem Schlagzeug-Mikro aufgenommen, ganze Takes genommen, uns nicht in den Vocals verrannt oder überhaupt großartig Sachen nachbearbeitet – es ist eine ungeschliffene Version unserer Band, einschließlich unserer Fehler, was sich auch entsprechend anfühlt.“ Eine Selbsteinschätzung, die es absolut zu unterstreichen und zu bestätigen gilt.

Auf ausschweifenden Umwegen zum geringsten Widerstand zu gelangen, war diesmal offenbar nicht der Vater aller Gedanken. Nein, möglichst direkt auch das Ungehobelte amalgamieren und dabei ungeahnte Fallhöhen oder gar widerspenstige Interpretationstiefen ausloten – diese Zielsetzung durchströmt das Album auf seiner Gradwanderung zwischen Zugänglichkeit, Haken und Ösen.

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