Pfade durch die Musiklandschaft Australien VII

Ideenreicher „Gentle Giant“ der australischen Musikszene

Mit seiner kürzlich veröffentlichten Bright Red Overture trat der aus New South Wales gebürtige Komponist Matthew Hindson der Besetzung nach (nur) halbwegs in die Fußstapfen seines einstigen Lehrers Peter Sculthorpe, der bereits vor vielen Jahren mit einem Konzert für Didjeridu und Orchester an die Öffentlichkeit getreten war. Hindson ergänzt den Solisten durch einen zweiten an der Trompete, wodurch interessante konfligierende Klangüberschneidungen produziert werden. Von Originalität und Grenzüberschreitung zu Popstilen künden auch zahlreiche weitere Werke, von denen einige mit dem Sydney Symphony Orchestra aufgeführt wurden: Homage to Metallica (1994/97), das Konzert In Memoriam für (elektronisch) verstärktes Cello aus dem Jahr 2000, Gentle Giant für Streicher (2003), ein Schlagzeugkonzert (2005), Beauty für Cello und Kammerensemble (2009), Repetipetition für Flöte, Piccoloflöte und Vibraphon (2013) oder das ironiereiche It is better to be feared than loved in der Besetzung mit Chor und Orchester (2014).

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Für das Birmingham Royal Ballett schrieb der Australier Matthew Hindson zwei Ballette (hier das Ballett in Tokyo 2010; Guy Evans).

Für das Birmingham Royal Ballett schrieb der Australier Matthew Hindson zwei Ballette (hier das Ballett in Tokyo 2010; Guy Evans).

Teilweise sind Hindsons Werke nur schwer einem bestimmten Genre zuzuordnen: Ist Lucky Seven für zehn Perkussionisten von 1995 wirklich ein kammermusikalisches Werk und das Septett (2009) nicht eher eine undefinierbare Ensemblekomposition? Auch gelegentliche humorvolle Widmungen wie Baroquerie, eine Sonate für Violine und Cembalo (2002), Shakedown für verstärkte Shakuhachi und CD (2008), seine Monkey Music für Kinderklavier und einen beckenschlagenden Affen (!) von 2009 oder Epic Diva für Klavierquartett (2012) lassen sich schwerlich in ein Schema pressen. Bedenkt man, wie viele Komponisten seit der Erfindung des Kinos in engstem Rahmen des Möglichen für Filmvertonungen schuften mussten, um einem geregelten Brotberuf nachzugehen, verwundert es nicht, dass sie ihrer musikalischen Fantasie selten freien Lauf lassen konnten und manches angefangen in den Schubladen blieb. Vielleicht begünstigte bislang die weitgehend unabhängige E- und Crossborder-Musikszene Australiens – wie im Falle Matthew Hindsons – im Gegenteil eher die Durchsetzung des Individuellen vor dem kulturpolitisch Erwünschten, das auch im Konzertbetrieb und in der Tonträgerindustrie eher auf Akzeptanz stieß als etwa in Europa und selbst in den Vereinigten Staaten.

Andererseits lässt sich nicht daran rütteln, dass auch traditionelle Symphonieorchester, um sich ihren hohen Rang zu sichern, die Beiträge lebender Komponisten brauchen, um ihr Repertoire aufzufrischen. Auch im Hinblick darauf erwies sich Matthew Hindson als zuverlässiger Lieferant für Neues für das „konventionelle“ Instrumentarium: Er arbeitete über Jahre sowohl mit dem Queensland Orchestra und der entsprechenden Institution in Sydney als auch mit dem dort ansässigen Jugendorchester zusammen. Viele Projekte wurden in Europa realisiert, so etwa 2006 die Premiere seiner House Music für die amerikanische Flötistin Marina Piccinini mit dem London Philharmonic Orchestra und die Aufführung zweier Ballette für das Birmingham Royal Ballett unter David Bintley.

Hindsons kammermusikalische Komposition From Saibai für Violine und Klavier findet sich auf dem Album Spirit Dances beim Label Wirripang (B006E50AXW, 2009)

Hindsons kammermusikalische Komposition From Saibai für Violine und Klavier findet sich auf dem Album Spirit Dances beim Label Wirripang (B006E50AXW, 2009)

Dauerhafte Engagements des Komponisten sind der akademische Unterricht als Professor am Konservatorium von Sydney und seine künstlerische Leitung des australischen Aurora Festivals von 2006 an. Seit einiger Zeit veröffentlicht der Verlag Faber Music Hindsons Werke: So erschienen dort unter anderem Whitewater für zwölf Streichersolisten (1999/2000), Night Pieces für Oboe und Klavier und Rave Elation: The Schindowski Mix (2008). From Saibai für Violine und Klavier ist auf dem Sammelalbum Spirit Dances zu hören. und liegt als Download vor.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.