Vermutlich wird man sich hierzulande an den Chicagoer Liam Hayes (der seit nunmehr 20 Jahren auch unter dem Namen Plush popmusikalisch unterwegs ist) noch am ehesten anhand seines Cameo-Auftritts (Soaring And Boring) in Stephan Frears‘ High Fidelity erinnern. Oder auch hinsichtlich seiner Doppelfunktion als Score-Komponist und Kleindarsteller des Charlie Sheen-Vehikels Charlies Welt – Wirklich ist nichts wirklich unter der Regie von Roman Coppola. Wohl eher nicht. Doch sei’s drum, mit seinem fünften Album, dem originell verspielten Slurrup (ab 16. Januar via Fat Possum/[PIAS]/Rough Trade), verankert sich Liam Hayes ab sofort musikalisch in beste Erinnerung.

Preisverdächtiges Cover (mit Preisauslobung): "Slurrup", Liam Hayes (Fat Possum/[PIAS])
Preisverdächtiges Cover (mit Preisauslobung): „Slurrup“, Liam Hayes (Fat Possum/[PIAS])
Irgendwo zwischen Brian Wilson und Harry Nilsson ist er schon zu verorten, der American Musical Artist Liam Hayes. Ihn deswegen gleich auf den Retro-Zug zu setzen, würde jedoch die zeitlose Lässigkeit (und die merkwürdigen Zwischenspiele Theme From Mindball und Channel 44) verkennen, mit der Slurrup Boden gegenüber altgestriger Versteifung gut macht. Folkpop, Softsoul, im besten Sinne sattsam abgestandene Arrangements mit entschleunigter Bescheidenheit (wie das überaus reizende Keys To Heaven): Der als verschlossen geltende Songwriter stellt seine Expertise bereitwillig unter den Scheffel nüchterner Verdichtung und teilt sich seine Kräfte vorbildlich ein. Wo zahlreiche Kollegen zur Übertreibung neigen (was Ausstattungsexzesse oder Reduktionsverfall angeht), achtet Liam Hayes sehr genau darauf, dass seine Kompositionen stets genügend Luft zum Atmen erlangen.

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