The Mindsweep fegt gut durch

Neue Ufer, alte Fronten: Enter Shikari

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung von The Mindsweep (ab Freitag via [PIAS]/Rough Trade) haben die vier Post-Crossover-Majestäten aus St. Albans vor allem von ausgewiesenen Fans ordentlich Prügel bezogen. Dabei handelt es sich, mit Verlaub, um die ganz alte Leier: Weiterentwicklung der musikalischen Formensprache wird samt der damit einher gehenden Variation des Bekannten auf weitsichtigerem Niveau und innerhalb neuer Bezugsrahmen schlicht als Verrat abgetan und kurzerhand verworfen. Dabei wird im Schwange von Überdruss und Enttäuschung geflissentlich glatt übersehen, dass „The Mindsweep“ über endemische Qualitäten verfügt, die Enter Shikari anno 2015 überhaupt erst rechtfertigen.

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Enter Shikari, "The Mindsweep" ([PIAS]/Rough Trade)

Enter Shikari, „The Mindsweep“ ([PIAS]/Rough Trade)

Sie war (?) DIE Krachcombo für den gemäßigten Non-Konformisten, der sich in der Masse der Besucher möglichst angesagter Festivals am wohlsten fühlt. Denn Enter Shikari eröffneten über den Zeitraum einer halben Dekade hinweg eine multikompatible Perspektive zwischen anbiedernder Pseudo-Aggression und politisch korrekter Gewissensbildung, einer Mischung, die in Form von unantastbaren Trademarks das spätpubertierende Klopfen auf die eigene Schulter gleich frei Haus verlässlich mitlieferte. Und nun hapert es gerade an dieser Verlässlichkeit, da Enter Shikari ihre Wesensmerkmale zwar nicht verraten, aber doch umformulieren: Endlich, so sei es ihnen zugerufen, entsinnen sie sich der Wirkungsweisen einer auch (selbst-) parodistischen Brechung.

Das kennzeichnend Eindeutige schient ihnen nun unzweideutig zu profan geworden zu sein: Das – nach wie vor im Alternativentwurf zum Digital Hardcore (fernab von Atari Teenage Riot im Metalcore-Mäntelchen) verwurzelte – Bedienen von bereits mit dem Debütalbum Take To The Skies restlos abgefrühstückten Versatzstücken drängt nun nach einer Autonomie, die den Hauch adulten Art-Rocks nicht länger verleugnen kann (überdeutlich beim programmatischen Rausschmeißer The Appeal & The Mindsweep II).

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