Die Mischung macht’s: Zun Zun Egui

Nichts ist wahr, alles ist erlaubt

Mit Shackles‘ Gift (Bella Union/[PIAS] Cooperative/Rough Trade) ist heute das zweite Album der Soundalchimisten Zun Zun Egui erschienen. Wie schon auf ihrem Debüt Katang verbraten die fünf Weisen aus Bristol (von wo auch sonst, möchte man fragen) herzerwärmendes Futter im Ofen ihrer musikalischen Recyclinganstalt. Wenn Afro-Funk auf Euro-Disco, toastfreier Dancehall Reggae auf derbe Rockriffs und tropische Rhythmen auf industriale Marschmusik trifft, und das ganze dann noch von Fuck Button Andrew Jung produziert wird, wird sich so mancher vorangeschrittener Zeitgenosse voller Wonne an Shriekback und Konsorten erinnert fühlen.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Zun Zun Egui, "Shackles' Gift" (Bella Union/ [PIAS] Cooperative)

Zun Zun Egui, „Shackles‘ Gift“ (Bella Union/ [PIAS] Cooperative)

Erweckt der Opener Rigid Man zunächst noch den fatalen Eindruck, sich afro-dominierten Endlos-Synkopen hingeben zu müssen, um das Geschenk auch anzunehmen, findet der faule Zauber spätestens (man würde nun ausgerechnet einfügen wollen) bei African Tree ein jähes Ende. Das Fiebrige der Arrangements, die Wucht ihres konzentrisch heißeste Eisen umkreisenden Bewegungsdrangs – das alles (und noch viel mehr) kulminiert in eine Ahnung davon, wie Marilyn Manson geklungen hätte, wenn er in den 70er-Jahren aus einem von Funk’n‘Roll kontaminierten Tenderloin aufgetaucht wäre.

Was da auf Shackles‘ Gift fusioniert, das schreit händeringend nach weiteren Vergleichen, hier kommt noch einer: Dieses Album klingt phasenweise so, als würden Led Zeppelin mit TV On The Radio um die Wette jammen, wer den dicksten Wumms am aufwändigsten verpackt bekommt – und die Letztgenannten ihr allgemein völlig überbewertetes Album Seeds vergessen machen wollten.

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