Es ist bereits die 14. Veröffentlichung des Jib Kidder (bürgerlich: Sean Schuster-Craig), wenn am Freitag mit Teaspoon To The Ocean (Weird World/Domino Records/GoodToGo) erstmals eine Full Length-CD von ihm erscheint, die dank Label und Vertrieb flächendeckendes Interesse auf sich ziehen wird. Was auch höchste Zeit wurde, so seine im weitesten Sinne (zunächst einmal) als psychedelisch zu bezeichnenden Klangmalereien angesichts ihrer raumgreifenden Kunst der Realitätserweichung selbst breit (sic) angelegte Kampagnen rechtfertigten würden.

Sean Schuster-Craig ist Jib Kidder (Aaron Stern)
Sean Schuster-Craig ist Jib Kidder (Aaron Stern)

Seine Musik könne er nicht erklären, gesteht Jib Kidder in einem Interview mit dem Dazed-Magazin ein. Doch dafür hat er einen plausiblen Grund parat: „Ich arbeite am liebsten mit Ideen, die ich selbst nicht komplett durchschaue. Dabei fühlt es sich so an, als sei ich auf einer Jagd, in deren Verlauf ich mir eine eigene Welt zusammenstelle und ihre Bestandteile als Beute unter einen Hut bringe, indem ich sie als Künstler dazu zwinge.“ Anders als bei dem von Jib Kidder entschieden abgelehnten Sampling („a shame“) spielt er seinen mutwillig zusammengesponnenen Mikrokosmos eigenhändig ein, überzieht ihn mit einem Flanger continuo und führt ihn zurück zu seinen Ursprüngen, die sich nur unbestimmt und irgendwo zwischen Traum und Täuschung lokalisieren lassen.

Wenn er anderenorts Gertrude Stein, Lindsey Buckingham oder Roy Orbison zu seinen Einflüssen zählt, sollte dies niemanden dazu veranlassen, Teaspoon To The Ocean im Nachhall dieser Reihung zu überprüfen. Da drängt sich die ideelle Nähe zu Julia Shammas Holter (Tragedy, Ekstasis, Loud City Song) nicht zuletzt anhand bereits erfolgter Kooperation (hier: Appetites) stichhaltiger auf, bedeutet im Falle von Jib Kidder aber keine Entschlüsselungsformel für die (sich selbst) aufgegebenen Rätsel.

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