Die ECHO Jazz Preisträgerin Lyambiko legt mit ihrem soeben erschienenen Album Muse (Sony Music) einen erlesenen Songzyklus vor, der sich – bis auf eine Ausnahme – aus Kompositionen zusammensetzt, die eine rein weibliche Urheberschaft aufweisen. Die Bandbreite reicht dabei von Klassikern wie Ann Ronells Willow Weep For Me bis zu Gallionsfiguren des Neo-Soul wie Jill Scott (Do You Remember Me) oder Erykah Badu (On & On). Mit Spring hat sich auch eine Eigenkomposition in den Flow eines Albums eingefügt, das trotz der Diversität des Ausgangsmaterials in sich schlüssig und homogen die stimmlichen und interpretatorischen Fähigkeiten Lyambikos in ein modernes und zugleich zeitlos gültiges Licht rückt. Ihre Kräfte für die anstehende Tour sammelnd, nahm sich die im thüringischen Greiz geborene Ausnahmekünstlerin Zeit für ein entspanntes Gespräch.

Lyambiko (Uwe Arens)
Lyambiko (Uwe Arens)

amusio: „Nachdem Du Dich auf Deinen vorherigen Alben Nina Simone und George Gershwin gewidmet hast, konzentrierst Du Dich bei Muse auf Songs, die – bis auf Goodbye Pork Pie Hat von Charles Mingus, das bekanntermaßen von Joni Mitchell interpretiert wurde – von Frauen komponiert wurden. Was hat Dich zu dieser Entscheidung bewogen? Du hast im Vorfeld von einem Bedürfnis nach Empathie gesprochen…“

Lyambiko: „Üblicherweise werden Songs kompiliert, die von Frauen interpretiert zu Klassikern des Jazz wurden: Women in Jazz oder Female Voices. Auf der Suche nach einem Thema, mit dem wir – also Heinrich Köbberling, Robin Draganic, Marque Lowenthal und ich – uns auf dem Album beschäftigen könnten, kamen wir auf die Idee: Wie würde ich mich dem Thema des originär Weiblichen nähern wollen? Also habe ich meine Auswahl entsprechend ausgelegt. Ich wollte dabei nachempfinden, ob es einen Unterscheid macht. Im Ergebnis kann ich das auf der rein musikalischen Ebene nicht behaupten. Emotional, etwa im Hinblick auf die Texte, habe ich die weibliche Herkunft schon stärker verspürt.“

amusio: „Hat sich die Konzeption in musikalischer Hinsicht letztlich als eher nebensächlich erwiesen?“

Lyambiko: „Für meine Herangehensweise war sie schon wichtig, auch wenn ich den Kernpunkt in der Musik gesucht habe, weniger in einem gesellschaftspolitischen oder gar feministischen Kontext.“

amusio: „Birgt Dein Songzyklus auch ein gewisses narratives Element? Erzählst Du anhand der Lieder und ihrer Abfolge eine Geschichte?“

Lyambiko: „So weit würde ich nicht gehen. Die Stücke bilden doch eine sehr große Bandbreite ab und wir haben uns vornehmlich auf den Flow konzentriert. Wir haben uns eingehend damit auseinandergesetzt, wie die heterogenen Elemente zueinanderfinden können. Dabei ging es weniger darum, dass ein Song mit dem darauf folgenden in einem inhaltlichen Zusammenhang steht. Vielmehr um den Gesamteindruck des Albums, der wiederum das Ergebnis von Bauchentscheidungen darstellt. Rationale Vorgaben hinsichtlich der Stringenz hat es keine gegeben. Erst als alle Tracks aufgenommen waren, haben wir uns um die Abfolge gekümmert, aber dafür umso eingehender.“

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