Mark Lanegan lässt gewähren

Phantom Radio Remixes

Wenn am 20. Februar mit A Thousand Miles Of Midnight (Heavenly Recordings/[PIAS] Cooperative/Rough Trade) das Remix-Album zu den beiden jüngsten Werken (Phantom Radio & No Bells On Sunday) des gepflegten Dark-Crooners Mark Lanegan erscheint, wird Aufgeschlossenheit zur ersten Bürgerpflicht. Denn wer behutsame Modifikationen oder vorsichtige Annäherungen erwartet hat, der sieht sich getäuscht. Und – wie auch unerschrockene Rezipienten – mit einem Potpourri konfrontiert, das sich in der Rubrik Geschmackssache einen Ehrenplatz verdient.

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Mark Lanegan "Band": "A Thousand Miles Of Midnight" (Heavenly Recordings/[PIAS] Cooperative/Rough Trade)

Mark Lanegan „Band“: „A Thousand Miles Of Midnight“ (Heavenly Recordings/[PIAS] Cooperative/Rough Trade)

Mark Lanegan verteidigt die vorliegenden Ergebnisse, zumal er die Beteiligten nicht nur lt. eigener Aussage zu schätzen weiß, sondern sie gleich als Zugehörige der „Mark Lanegan Band“ etikettiert, wie der Schriftzug des aufgegriffenen Phantom Radio Covers suggeriert. Also gehören Künstler wie Mark Stewart (Death Trip To Tulsa), Moby (Torn Red Heart) oder Kollektive wie Earth (Waltzing In Blue) oder Magnus (Harvest Home) nun – dem Papier nach – zum Club der Lanegan-Intimi.

Sicher: Die völlige Neuausstaffierung des bewährten Liedguts ist weit davon entfernt, reizlose Parodien auf den Catwalk zu schicken. Doch auf Dauer macht sich, und dies ist das eigentlich Überraschende, eine eigentümliche Konformität breit, die ihre ausgewiesen fähigen Couturiers kaum verrät. Als Erklärungsversuch Rückschlüsse auf die – dabei vielleicht als überschaubar zu deklarierende – Varianzbreite des Ausgangsmaterials zu ziehen, verbietet sich, denn die Remixe gönnen sich gegenüber den „akustischen“ Gerüsten völlige Narrenfreiheit.

Des Meisters Stimme schwebt bisweilen etwas (selbst-) verloren über oder neben den Arrangements, was den gewöhnungsbedürftigen Eindruck erweckt, mit A Thousand Miles Of Midnight einem Sci-Fi-Hörbuch-Soundteppich mit Musical-Elementen beizuwohnen. Um dieses durchaus als mutig, wenn nicht gar als gewagt zu qualifizierende Projekt wertschätzen zu können, empfiehlt sich ein zwischenzeitliches Verwerfen des Diktats „handgemachter“ oder „ehrlicher“ Liedmacherkunst zugunsten einer Auffassung, die sich mit dem Musikverständnis der Sekundärzielgruppe (Kenner der Remix-Beauftragten) anfreundet.

Mark Lanegan (mit Duke Garwood) live:

16.02. Hamberg (Uebel & Gefährlich)
17.02. Berlin (Postbahnhof)
21.01. München (Freiheiz)
01.03. Wien (Szene)

Torn Red Heart (Moby Remix):
youtube.com/watch?v=GPZQoZ6iz8s

marklanegan.com
facebook.com/MarkLanegan

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