Interview mit Stephen Emmer (International Blue)

„Erst der Exzess macht einen Sänger glaubwürdig“

Mit International Blue (Electric Fairytale Recordings/H’ART) erscheint am 20. Februar ein phänomenales Album, das die großen Gesten des opulent orchestrierten Croonertums mit den entsprechenden Stimmen (u.a. Glenn Gregory, Midge Ure), zeitlosen Kompositionen und vielschichtigen Arrangements in einer Art und Weise verbindet, wie dies heutzutage kaum noch gewagt oder gar erfolgreich angegangen wird. Im Gespräch erhellt Urheber Stephen Emmer, Musiker des New Wave und unangefochtene Nummer 1 der niederländischen TV-Sounddesigner, jene Hintergründe, die zum Entstehen dieses musikalischen Manifests geführt haben.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Mr. International Blue: Stephen Emmer (stephenemmer.com)

Mr. International Blue: Stephen Emmer (stephenemmer.com)

amusio: „Der Albumtitel International Blue lässt eine Vielzahl an Vermutungen hinsichtlich seiner Bedeutungsebenen zu. Ist er etwa als eine Referenz an die Blue Notes des Jazz oder an die blaue Stunde zu verstehen?“

Stephen Emmer: „Ja, da ist sicher etwas dran. Mehr als die des Jazz ist es die Blue Note der Popmusik, die mit hinein spielt. Aber eine weitere gewichtige, wenn auch indirekte Referenz ergibt sich in Bezug auf den französischen Konzeptkunstmaler Yves Klein. Er war ausgesprochen ambitioniert und hatte sich zum Ziel gesetzt, die bestmögliche Farbe zu finden. Als er dann das perfekte Blau in der Toskana aufgefunden hatte, schlug bei ihm der Geschäftssinn des Konzeptkünstlers durch. Er erwirkte ein Copyright auf seine Farbe: International Klein Blue. Mit ihr hat er sagenhaft viele Bilder verkaufen können, und so dachte ich mir: Vielleicht sollte ich zumindest versuchen, einfach mal die besten blauen Songs zu schreiben…“

amusio: „Was ja auch das reduzierte Cover-Artwork erklärt…“

Stephen Emmer: „Absolut. Hinzu kommt ja noch das graphische Element der stilisierten Erdkugel. Im Internet wird sie bereits als Verweis auf einen politischen Hintergrund oder als Kommentar zu Überwachungstechnologien, Verschwörungstheorien und Leak-Komplotten interpretiert. Das war allerdings nicht beabsichtigt, sie erfüllt eine rein ästhetische Funktion als Verstärkung des globalen Leitgedankens, der sich im Produktionsprozess niederschlägt. Die Beteiligten haben sich leibhaftig erst zu einem Zeitpunkt getroffen als das Projekt bereits im Kasten war. Das Album ist also auf internationalem und zugleich virtuellem Wege entstanden.“

amusio: „Besteht nicht auch ein Bezug zu dem Titel Absolutely Grey auf Deinem Album Recitement?“

Stephan Emmer: „Das war mir zunächst nicht bewusst, aber tatsächlich wurde Absolutely Grey auch von einem bedeutenden Künstler inspiriert. Und zwar von Ken Nordine, der als Voice-over-Artist, Radiosprecher und Rezitator Berühmtheit erlangt hat. Ein Farbhersteller beauftragte ihn damit, ein Werbekonzept zu entwickeln, woraufhin er für sämtliche Farben der Unternehmenspalette eigenständige Sujets realisierte. Für Recitement habe ich dann seine Interpretation von Grau zum Ausgangspunkt meines Stücks Absolutely Grey genommen.“

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!