Interview & Live-Review

Press Enter Shikari

Chris Batten, Rou Reynolds & Liam "Rory" Clewlow im Gespräch (Stephan Wolf)

Chris Batten, Rou Reynolds & Liam „Rory“ Clewlow im Gespräch (Stephan Wolf)

„Sicher werden wir zukünftig keine zehnminütigen Klagelieder zur Laute veröffentlichen, doch erachten wir unser Tun als ergebnisoffen“, hebt Rou Reynolds hervor und kann dabei durchaus mit dem die Runde machenden Begriff des ,Prog-Electronicore‘ etwas anfangen. Kann diese vorgebliche Ziellosigkeit auch als ein Nachweis der Reife interpretiert werden? Als Abschied von ungestümen Jugendtagen, wo das unverschämt Krachende, das bare Kanalisieren adoleszenter Frustrationsaggression noch als Legitimation fürs Inkongruente eines halbstarken Crossovers genügte? Und ließe sich davon auch das Mitwachsen der Zuhörerschaft ableiten, eine neue Offenheit auch gegenüber den Konventionen des Mainstreams?

„Als Musiker geht es uns in erster Linie um die eigene Entwicklung, um eine Ausschöpfung eines sich stets erweiternden Potenzials“, räumt Gitarrist Liam „Rory“ Clewlow ein. „Dabei schließen wir jegliches Kalkül hinsichtlich der Publikumsreaktionen weitgehend aus. Insofern kann man schon behaupten, dass sich unsere Fans gemeinsam mit uns weiterentwickeln. Sie würden uns nicht weiter unterstützen und stattdessen unser neues Material verwerfen, wenn uns nicht Offenheit und Unvoreingenommenheit einte.“
Insofern könnte Enter Shikari – genauer: deren ungebrochene Popularität – als ein Hoffnungsträger fungieren.

Wenn sich ihre freidenkerische Entschlossenheit zur scheuklappenentwöhnten Massenkompatibilität auswüchse, so könnten sie im historischen Kontext eine ähnlich gewichtige und zugleich markante Position einnehmen wie einst etwa Tool, denen es auch vergönnt war, Komplexität als Verkaufsargument zu etablieren, ohne dabei auf das Reservoir altbackener Nostalgieverwalter zurückgreifen zu müssen, die Zappa noch live erlebt haben.

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