Bevor der Versuchung nachgegeben wird, den aktuellen Stand der Laibach’schen Metaverknüpfung von politischen Kausalzusammenhängen, von Bündnissen und Verschwörungstheorien mit künstlerischer De-Entfremdung einer sachdienlichen Kritik zu unterziehen, die ohne Doppelbödigkeiten auskommt, sei sich anlässlich der freitäglichen Veröffentlichung des Remix-Albums Spectremix (Mute/GoodToGo) kurzerhand davor gedrückt: Alle Macht den Fakten. Zumal das slowenische Kollektiv dieser Tage noch weit mehr auf der Pfanne hat, als nur pflichtgemäß erfolgte Aneinanderreihungen von Auftragsarbeiten.

Laibach: "SpectRemix" (Mute/GoodToGo)
Laibach: „SpectRemix“ (Mute/GoodToGo)

So erscheint am Freitag nicht allein Spectremix. Auch eine Deluxe-Ausgabe des Erfolgsalbums (?) Spectre steht an, die immerhin mit vier bislang unveröffentlichten Tracks aufwartet. Darüber hinaus werden die anstehenden Konzerte auch ein Gastspiel am Residenztheater München beinhalten, wo Milo Raus Projekt The Dark Ages eine auf Einzelschicksalen basierende polit-psychologische Reflexion zum „wiedervereinigten Europa“ vornimmt, deren skeptische Analyse sich ästhetisch und inhaltlich in augenfälliger Weise mit der von Laibach deckt.

Derweil wird in den heimischen Studios bereits fleißig am Soundtrack zu Iron Sky – The Coming Race geschraubt, woraus hoffentlich wieder ein solch überzogener Bombastkitsch wie schon zum ersten Teil hervorgehen wird, der an das erinnert, wofür Laibach einst beliebt und gefürchtet waren: Ironie, Persiflage und Travestiekunst – mit dem Mut zur Provokation entsprechender Missverständnisse und Anfeindungen.

Davon war schon auf Spectre – zumindest in musikalischer Hinsicht – kaum noch etwas übrig geblieben. Die durchweg modisch-chic tönenden Remixe lassen nun konsequent jeglichen gedanklichen Aufhänger außen vor, was im Zusammenhang mit Laibach dann doch wieder einen zweischneideigen Beigeschmack auf der Zunge zergehen lässt: Ähnelt das Aroma von Spectremix nun dem von L’art pour l’art als leidlich unterhaltsamer Konfektionsware – oder dem eines affirmativen Zugeständnisses an einen politischen Diskurs, der auf dem Dancefloor geführt wird?

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