Mahler-Arbeiten an der Elbe: Himmelshöhe und Grabestiefe

Selbst die Bratschen, die anfangs noch „täppisch“ in ihr Solo gingen, ziehen nun mit Ganzbogen-Strichen ausgelassen über die Saiten und das gesamte Orchester wird wie in einem großen, berauschten Tanz vom äußerst aufmerksamen Dirigenten über die Bühne geführt. Mit ungeheurer Energie zeigt das Orchester eindrucksvoll, welch enormes Können diese Musikstudenten besitzen.

Im dritten Satz, einer „Rondo-Burleske“, die „sehr trotzig“ gespielt werden soll, wird dieser „Tanz“ noch gesteigert und mündete in einem furiosen Ende. Zumindest für einen Zuhörer in den ersten Reihen kam dieses überraschend schnell: sein lautes „Boahhh!“ kam offensichtlich aus tiefster Bewunderung und wurde von den Musikern gehört – und wohlwollend aufgenommen. Es passte gut zum bunt gemischten Publikum: selbst im Parkett saßen viele Jugendliche.

Letzter „Bauabschnitt“: Adagio. Sehr langsam und noch zurückhaltend

Schon das langsame Tempo durchbricht die Konventionen, die seit Beethoven als Grundprinzip für Symphonien galten, wonach sie und mit einem schnellen Finale endeten. Dieser Bruch wird als Abgesang interpretiert und Anton Bruckner soll diesen Satz als einen „Abschied vom Leben“ bezeichnet haben. Es geht in Grabestiefe.

Immer wieder spielen die ersten und zweiten Geigen unisono ein Thema – 30 Musiker formen vom ersten bis zum letzten Pult einen sehr kompakten und ergreifenden Klang. Dabei gehen sie auch bis in die Höhen, die von Laien gerne als „ewiger Schnee“ bezeichnet werden – der von diesen nur sehr selten betreten werden. Doch auch die Musikstudenten sind mit äußerster Vorsicht in diesem „rutschigen Gelände“ unterwegs und müssen dagegen kämpfen, nicht auch ein klein wenig ins „Schlingern“ zu geraten.

Insgesamt begeistern sie vor allem mit den äußerst vitalen Mittelsätzen und vollbringen ein sehr schwieriges Kunststück: nach dem „ersterbenden Ende“ bleibt es für viele lange Sekunden still in der Musikhalle – selbst das sonst gelegentlich lautstarke Husten bleibt aus. Dann setzt ein frenetischer Applaus mit Standing Ovations, begeisternden Rufen und Getrampel ein, wobei auch der „Architekt“ Jonathan Nott von Zuhörern und dem Orchester in höchstem Maße gefeiert wird.

Wie groß wird wohl der Jubel werden, wenn irgendwann die Vollendung der Elbphilharmonie gefeiert werden kann? Das „Finale“ klingt ja schon deutlich an – ob es ebenfalls im langsamen Tempo steht?

Doch zu dieser riesigen Baustelle an anderer Stelle mehr…!

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Über Matthias Berg

"Startphase" mit Praktikum bei der taz und Studium in Hamburg & Bonn (Geographie & Journalistik). Arbeitet freiberuflich in Kiel und kreuzt dabei leidenschaftlich gerne mit Cello oder Segelschiff über Musik- & Meereswellen.