36 Crazyfists live in Köln

Stilecht überwundene Traumata

Mit den Umständen, die dazu geführt haben, dass 36 Crazyfists in der Zeit seit Collisons And Castaways mehrfach auf der Kippe standen, macht Frontmann Brock Lindow anlässlich des Konzerts im Kölner MTC kurzen Prozess – und knüpft an jenem Punkt an, wo die Band vor gut fünf Jahren ausgestiegen ist. Dass 36 Crazyfists dabei nicht wie aus der Zeit gefallene Aushängeschilder einer vergangenen Szenemode namens Metalcore rüberkommen, verdanken sie vornehmlich dem Material der neuen Scheibe Time And Trauma (Spinefarm/Universal), die nicht zuletzt aufgrund eines variablen Songwritings bei konstant hoher emotionaler Dichte aus dem Stand zur besten Veröffentlichung seit Bitterness The Star (2002) avanciert.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Back with balls: Brock Lindow, 36 Crazyfists (Stephan Wolf)

Back with balls: Brock Lindow, 36 Crazyfists (Stephan Wolf)

Wer 36 Crazyfists das stoische Festhalten am Konventionellen zum Vorwurf machen möchte, der hat etwa die Vorband All Hail The Yeti noch nicht gehört. Was der Vierer aus Hollywood unter dem Banner des „No Core“ anbietet, hat das Zeug dazu als bräsigster Stoner Metal unserer Zeit in die Annalen einzugehen. Danach wirkt das Auftreten der inzwischen nur noch zur Hälfte aus Alaska stammenden Hauptattraktion des Abends wie ein Jungbrunnen. Klar, dass sich der Moshpit in Sekundenschnelle füllt und von da an auch nichts mehr schief gehen kann.

Sofort verschmilzt die Band mit dem größten Teil ihres Publikums zu einer verschworenen Einheit. Die bekannten Stücke reihen sich frei von Überraschungen aneinander, für Abwechslung sorgen die Kostproben des neuen Albums, vor allem das entschieden zupackende Sorrow Sings sorgt für spürbar frischen Wind im ausverkauften Clubsaal.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!