Dass die Schlagzeile dieses Vorberichts keinen Hinweis auf die an Pfingsten zu Leipzig üblichen Wetterverhältnisse darstellt, dürfte vor allem auch den letztjährigen Treffen-Besuchern sofort einleuchten. Aber auch 1997 herrschten auf dem WGT hochsommerliche Temperaturen, als Sol Invictus auf dem Höhepunkt ihres Schaffens gleich zwei epochale Konzerte gaben, im Völkerschlachtdenkmal und im Schauspielhaus. In diese bis heute unerreichte Phase fällt mit In The Rain ein herausragendes Album, das Tony Wakeford samt dem aktuellen Sol Invictus Ensemble zum zwanzigsten Jahrestag seines Erscheinens komplett aufführen wird. Natürlich exklusiv auf dem Wave Gotik Treffen 2015.

Sol Invictus: "In The Rain" (Ausschnitt) (Tursa)
Sol Invictus: „In The Rain“ (Ausschnitt) (Tursa)

Der modischen Versuchung, mit einem besonders wichtigen, gelungenen oder erfolgreichen Album aus der Vergangenheit auf Tour zu gehen, können immer mehr Künstler immer weniger widerstehen. Das mag den Fans gefallen, mag vielleicht auch die eine oder andere Mark extra bringen. Freilich erachten nicht wenige Zeitgenossen diese Art der Repertoirepflege als eine aus kreativer Stagnation oder monetärer Gier motivierte Masche. Dem sei entgegengehalten, dass in konstitutiv künstlerischer Hinsicht die Albumidee weit über die Funktion einer technisch vorgegebenen Größeneinheit oder eines merkantil gelernten Formats hinausgeht.

Ein Album in seiner Gänze zu reproduzieren, bedeutet zunächst einmal die Rekapitulation eines idealerweise konzeptionell durchdachten Schaffensprozesses. Ihn nicht wie bei konventionellen Konzerten zu zerstückeln, ihn stattdessen hinsichtlich Abfolge und Dramaturgie im Originalzustand zu belassen, birgt für Künstler und Publikum nicht zuletzt einen analytischen Reiz, der Wege eröffnet, das bekannte, ursächlich eine Einheit bildende Material erneut zu erschließen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert