Sol Invictus: "In The Rain" (Tursa)
Sol Invictus: „In The Rain“ (Tursa)

Das Vergnügen am kompletten Album steht, steigt oder fällt selbstredend mit jedweder Qualität, die das Werk im Originalzustand offenbart. Wenn dann ein rundes Jubiläum den Anlass zur Aufführung gibt, wird dieser gerne genommen. Und doch mag es nicht allein der zeitlichen Koinzidenz geschuldet sein, dass sich Tony Wakeford dazu entschlossen hat, In The Rain auf dem diesjährigen WGT in vollem Umfang zu geben. Vielleicht ist auch dem Schwergewicht des apokalyptischen Neo-Folk bewusst, dass er mit diesem Album ein primus inter pares geschaffen hat.

In The Rain bedeutete für ihn und seine Stammband Sol Invictus eine Zäsur. Eine Abkehr von heidnischer Archaik und dem in Spurenelementen noch vorhandenen Post-Punk der vorangegangenen Veröffentlichungen. Eine Hinwendung zu emotionaler Innerlichkeit und expressiver Emotion, zur Poesie (arg flapsig formuliert: mehr Ezra Pound als zuvor Julius Evola).

Der eminente Status von In The Rain ist bis heute unangetastet geblieben, wenn auch insbesondere mit dem Album In A Garden Green (1999) ein wesensgleiches Pendant existiert, das kaum hinter den vorangegangenen Monolithen zurückfällt, der mit King & Queen (1992) zudem noch über einen gleichermaßen herausragenden Vorläufer verfügt. Kurzum, bevor hier noch jemand die Orientierung verliert: Die zweite Hälfte der neunziger Jahre darf mit Fug und Recht als die absolute Hochzeit von Sol Invictus in die Annalen eingehen, was weder die Güte des Frühwerks, noch die der späteren Veröffentlichungen schmälern soll.

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