Sol Invictus: "In The Rain" (Ausschnitt) (Tursa)
Sol Invictus: „In The Rain“ (Ausschnitt) (Tursa)

Der Vorabend der jüngsten Morgenröte liegt in den allerletzten Zügen. Jeglicher Halt, den das Konstrukt der Liebe einst in Aussicht stellte, liegt bereits in Trümmern. Das noch zur Reflektion befähigte Sein fügt sich in den Individualtod ohne Auferstehung, das Kollektiv ist ihm schon längst ein verschiedenes und unerreichbar gewordenes Verschiedenes. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Um kurz vor Toresschluss noch einmal wirksam werden zu können, muss sie sich zunächst anhand von Trauer, Trotz und letztendlicher Resignation abschwächen. Dieser Versuch, die eschatologisch fundierte Stimmung von In The Rain in Worte zu fassen, stellt eine Annäherung an jenes lyrische Gedankengut dar, das Tony Wakeford mit vergleichsweise einfachen Worten, Metaphern und Parabeln zur Nachvollziehbarkeit zwingt.

Den profanen Liebeskummer als Fundamentalkrise des Individuums zu erkennen und sie anschließend mit dem Versprechen einer ewig währenden Liebe zu nichtigen – das war schon der Trick der Urchristen, mit dem sie den hier stellvertretend genannten Sol Invictus schließlich doch entmachteten und durch den lieben Herrn Jesus ersetzten.

Was darauf folgte ist bekannt. Weniger jedoch, dass es Tony Wakeford mit In The Rain gelungen war, in die Keimzelle der Entzweiung von romantischer und göttlicher Liebe vorzudringen. Das in ihm rumorende Entsetzen über den Status quo einer „von allen guten Göttern verlassenen“ Welt äußert sich nicht länger in der Entgegenstellung von den individuell heimgesuchten Abbatoirs Of Love (so ein Titel der Frühphase) mit dem Segen multitheistischer Heilsversprechen.

Stattdessen vollzieht er dialektische Schritte, die von den ausgedienten Liebesschwüren (Believe Me), der Erkenntnis des schieren Vergehens (Down The Years) und einer sarkastischen Geste der Auflehnung (Oh What Fun) zur Aussicht auf Erlösung führen (In Days To Come), die sich selbst verraten muss, um überhaupt noch denkbar zu bleiben. Die Klammer des Eurozentrismus (Europa In The Rain) bleibt nichts weiter  als eine snobistische Zugabe.

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