Interview mit Steven Wilson

„Ich habe früh erkannt, dass ich Musik nur in einem Vakuum erschaffen kann.“

Grace For Drowning Into Music.: Steven Wilson (Stephan Wolf)

Grace For Drowning Into Music: Steven Wilson (Stephan Wolf)

amusio: „Birgt das aber nicht auch die Gefahr, dass die Magie verloren geht, wenn die Alben ihre Geheimnisse preisgeben?“

Steven Wilson: „Ja, das ist ein interessanter Aspekt. Es gab Alben, von denen ich nach der Bearbeitung erst mal genug hatte. Alben, deren Magie sich für mich während oder nach der Bearbeitung verflüchtigte. Aber es gab auch Alben, die ich anschließend noch aufregender, ergreifender und rundum gelungener fand als zuvor. Die also nichts von ihrer Magie eingebüßt haben, eher im Gegenteil.“

amusio: „Und wie geht es Dir zurzeit mit Deiner eigenen neuen Platte, mit Hand. Cannot. Erase.? Du hast davon gesprochen, dass Du sie Dir nach den 18 Monaten Arbeit, die sie Dir beschert hat, nicht mehr würdest anhören können. Gilt dieser gelinde Überdruss auch für die Promotion-Tour? Bist du es inzwischen leid, Dich immer und immer wieder zu deinem Album äußern zu müssen? Auch weil die Promotion letztlich ein Teil des gesamten kreativen Konzepts darstellt, von dem Du in Deinen Äußerungen zum Album – konzeptionell – nicht abrücken kannst?“

Steven Wilson: „Sicher mache ich mir bereits während des Entstehungsprozesses Gedanken über eine schlüssige Vermittlung der Inhaltsebene. Dadurch kann ich deren Stringenz auch mir selbst gegenüber immer wieder überprüfen. Es wäre ja auch widersinnig, ein Konzeptalbum stets anders erklären zu wollen. Allerdings bin ich ein Mensch, der am liebsten über Musik spricht. Ich bin ein totaler Musik-Freak. Und als solcher interessiere ich mich vor allem für die Ideen und Philosophien, die in der Musik stecken oder von ihr transportiert werden. In dieser Hinsicht bin ich ausgesprochen mitteilungsfreudig, was mir aber manchmal als Arroganz ausgelegt wird.“

amusio: „Wie das?“

Steven Wilson: „Nun, wenn mir ein Album nicht gefällt, dann sage ich das auch. Aber wenn mein Urteil dann in den Medien erscheint, sieht das immer ganz furchtbar und vor allem auch selbstgefällig oder unfair aus. Dabei unterscheiden sich meine Aussagen aber keinen Deut von denen, die ein jeder im persönlichen Gespräch fällt: Diese Platte finde ich scheiße. Gut so. Andererseits bin ich als bekennender Musik-Freak jederzeit daran interessiert, neue Musik zu entdecken und mich darüber auszutauschen. Ich kaufe mir sogar Platten (lacht).

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