Interview mit Steven Wilson

„Ich habe früh erkannt, dass ich Musik nur in einem Vakuum erschaffen kann.“

Welcome To My DNA: Steven Wilson (Stephan Wolf)

Welcome To My DNA: Steven Wilson (Stephan Wolf)

amusio: „Und Deine Lust an der Auseinandersetzung mit und über deine eigenen Veröffentlichungen hält darüber hinaus Bestand?“

Steven Wilson: „Absolut. Dabei geht es mir bekanntermaßen nicht nur um die Musik. Es würde mich nicht befriedigen, einfach zehn Songs aneinanderzureihen, um sie als Album verkaufen zu wollen. Ich brauche einen weiter gesteckten Rahmen, der Texte, Visualisierungen, Live-Präsentationen, Filme, die Website und auch Antworten auf Fragen der Promotion beinhaltet. Und ich weiß ganz genau, woher ich das habe. Denn als ich damit anfing, mich für Musik zu interessieren, beeindruckten mich mit Abstand jene Bands am meisten, die schon damals so dachten, wie ich heute.“

amusio: „Gehörten dazu auch Bands wie Yes oder Genesis, deren Konzeptionen ihr Heil in Fantasiewelten suchten?“

Steven Wilson: „Oh nein, die mochte ich nicht sonderlich. Meine drei ersten Lieblingsbands waren Pink Floyd, King Crimson und interessanterweise Tangerine Dream. Und von denen berührten mich Pink Floyd am nachhaltigsten. Von Pink Floyd natürlich Roger Waters. Bei ihm ging es immer um die Realität und damit einhergehende Entfremdungsprozesse. Ihm ist es wie keinem anderen gelungen, sie in Form von Konzeptalben zu beschreiben, zu deuten und aufzulösen. Nein, halt: Roger Waters muss sich seinen Spitzenplatz mit Pete Townshend teilen. Tommy und Quadrophenia sind ebenso wie The Dark Side Of The Moon oder The Wall perfekte Beispiele dafür, wie sich anhand eines fiktiven Individuums das reale Unbehagen einer gesamten Generation musikalisch manifestiert.“

amusio: „Bis heute unerreicht?“

Steven Wilson: „Nun, ich versuche, mein Bestes zu geben (lacht). Aber auch OK Computer von Radiohead gehört zu den herausragenden Beispielen des von mir favorisierten Genres, das absolut nichts mit Hobbits, Elfen und Trollen zu tun hat.“

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