Interview mit Steven Wilson

„Ich habe früh erkannt, dass ich Musik nur in einem Vakuum erschaffen kann.“

Incredible Expanding Mind: Steven Wilson (Stephan Wolf)

Incredible Expanding Mind: Steven Wilson (Stephan Wolf)

amusio: „Und welche Rolle wird dabei speziell die konzeptionelle Rockmusik, vielleicht auch der Prog, spielen? Momentan erfährt diese ja viel Zulauf aus dem Metal-Sektor, um Opeth als Beispiel zu nennen…“

Steven Wilson: „Sicher entwickeln sich zahlreiche Metal-Bands auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen in Richtung dessen, wovon zumindest wir beide sehr genau wissen, was wir damit meinen. Aber auch in anderen Sparten tut sich was. Und das nicht erst seit heute. Denken wir doch nur an Bands wie Radiohead, Muse oder Flaming Lips. Rätselhafte, unkonventionelle Strukturen, schwerwiegende Themen und Mellotron – na also! Diese Bands haben sich als Trojaner erwiesen. Sie haben den Mainstream unterwandert, wurden dort zum neuesten geilen Scheiß erklärt, bis es den Meinungs- und Stimmungsmachern auffiel, dass es sich letztlich um Progrock handelte.“

amusio: „Und auch die elektronische Musik wird ihren Anteil an dieser halb verkappten Renaissance haben, oder?“

Steven Wilson: „Natürlich, ich denke da zum Beispiel an The Orb in den frühen Neunzigern. Die waren konzeptionell extrem nah an Pink Floyd dran, stammten jedoch aus der DJ-Szene. Oder nimm die CD von DJ Shadow, Endtroducing….. – die Kritiker waren begeistert. Und das zum Teil sogar noch über den Zeitpunkt hinaus, an dem sie gewahr wurden, dass die Samples allesamt von solch als obskur oder obsolet betrachteten Bands wie Tangerine Dream oder Wigwam stammten.
An diesen Punkten haben die Musiker damit begonnen, die Kritiker zu erziehen und von ihren Vorbehalten zu erlösen.“

amusio: „Wie hat sich Dein Verhältnis zur Kritik entwickelt?“

Steven Wilson: „Ich habe früh erkannt, dass ich Musik nur in einem Vakuum erschaffen kann. Isoliert oder zumindest auf sicherer Distanz von den Erwartungen der potenziellen Hörer, der infrage kommenden Plattenfirmen und vor allem frei von der Einflussnahme der Medien. Dass ich mich nach und nach am Markt habe durchsetzen können, bleibt also ein eher zufälliges Phänomen. Ich habe sicher nicht bewusst darauf hingearbeitet.“

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