Was zu viele Künstler nur versprechen, Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet löst es ein: Persönlichkeit und Kohärenz. Sein drittes Album Shedding Skin (PIAS/Rough Trade) ziert sein eigenes Zellgewebe – und offeriert zehn außerordentlich dicht gewobene Songs, die trotz ihrer individuell-originären Aufrichtigkeit auf beinahe erschreckende Weise nachvollziehbar bleiben. Erlebtes und Beobachtetes verschmelzen hier zu einer Projektionsfläche für die zuweilen bittere Selbsterkenntnis: Selbst das größte Ego bleibt nur ein Mensch unter seinesgleichen.

Ghostpoet: "Shedding Skin" (PIAS/Rough Trade)
Ghostpoet: „Shedding Skin“ (PIAS/Rough Trade)

Es ist keine falsche Bescheidenheit, wenn Ghostpoet seinen Fokus auf die Erkenntnis ausrichtet, dass eine isolierte Nabelschau zu Wahrnehmungsverzerrungen führt, die nicht nur auf Kosten der Authentizität gehen. Glaubwürdigkeit will zwar exerziert und nicht bloß behauptet werden. Doch das persönliche Ergehen, die eigene Befindlichkeit darf dabei nicht zum einzigen Gradmesser der Weltanschauung verkommen. Dass die Verquickung von Introspektive und Weitsicht unter Verwendung einer hochgradig originellen Klangsprache gelingen kann, stellt Ghostpoet auf Shedding Skin eindrucksvoll unter Beweis.

Eindrucksvoll, weil er es tunlichst vermeidet, seine Intention mit den gängigen Methoden der popmusikalischen Sinnstiftung zu kaschieren. Und nochmal so beeindruckend, weil er auf dem Weg zur Allgemeingültigkeit abseits der abgegrasten Gemeinplätze eine musikalische Formsprache auffindet, die Radiohead oder gar einem (wenn auch entradikalisierten) Scott Walker näher steht, als die ubiquitäre Selbstbedienung im Ramschladen der Moden und Styles.

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