Schnöder Montag? Scharfe Platte: Heute veröffentlicht der musizierende Animationskünstler Raoul Sinier im Eigenvertrieb mit Late Statues ein Werk, dessen Soundlava sich in einer extrem gut gefüllten Stunde siedend heiß ergießt. Ja, der gute Mann aus Paris hat sich nicht lumpen lassen und genüsslich sämtliche Fuck Buttons betätigt, die in seiner gleichsam finsteren wie lüsternen Phantasie wie halluzinogene Pilze aus dem Bodensatz der Formkritik sprießen.

Raoul Sinier: "Late Statues" (raoulsinier.bandcamp.com)
Raoul Sinier: „Late Statues“ (raoulsinier.bandcamp.com)

Bereits seine Veröffentlichungen auf Ad Noiseam (Brain Kitchen, Tremens Industry und Guilty Cloaks) sowie Good City Factory (Welcome To My Orphanage) rückten ihn ins selbst erwählte Licht aus fiebrigen Schattenspielen und formalen Wahrnehmungsverzerrungen. Mit Late Statues widmet er sich dem bisher eher vernachlässigten Aspekt der Transparenz. Anstatt weiterhin selbstgerecht brüske Barrieren aufzubauen, locken nun wie mit dem Lötkolben geschmiedete Soundkaskaden den geneigten Hörer in die Falle. Die Motten ins Schwarzlicht, die Lemminge ins Brachwasser illegal betriebener Kläranlagen.

Nebenbei erprobt Raoul Sinier über dem dräuend „mahlmenden“ Schichtsound seine Qualitäten als Morten Harket-Wiedergänger. Doch wenn die Anspannung das üblicherweise gerade noch erträgliche Toleranzlevel in sich kollabieren lässt, zieht er sich zurück, um stiekum noch ein paar Schippen Schweröl nachzulegen. Doch so sehr auch die konvulsivischen Dynamiken einschlägige Schwellkörper einem Härtetest unterziehen, am Ende der Journey With The Vixen Queen sollte keine Hoffnung auf Erlösung vergeudet werden (sie wird schlicht ausgeblendet).

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