Leben leasen leicht gemacht

Trial and Errors

Leasing macht das Leben leichter? Mag in Einzelfällen zutreffen. Was aber, wenn einem das ganze Leben nicht bloß zu einer Leihgabe gerät, sondern auch gleich seine individuellen Ausprägungen mit verpfändet werden? Das schottische Electro-Trio Errors beantwortet auf ihrem fünften Longplayer Lease Of Live (ab Freitag via Rock Action/PIAS UK/Rough Trade) derart schwerwiegende Fragen mit heiterer Gelassenheit: Lieber gut (ver- und) entliehen, als schlecht geklaut.

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Errors: "Lease Of Live" (Rock Action/PIAS UK/Rough Trade)

Errors: „Lease Of Live“ (Rock Action/PIAS UK/Rough Trade)

Gute Antworten erfordern geeignete Fragen. Ob sich Errors die für sie richtigen gestellt haben, bleibt bis gegen Mitte des Albums ungeklärt. Es flirrt, schwirrt und rumpelt gehörig beliebig in Klangwelten herum, die für die verspielten Schotten fast als eine Nummer zu groß erscheinen. Britische Medien mögen diese Unausgegorenheit als „Post-Electro“ anerkennend hilflos etikettieren, unsereins hält sich bei dem gebotenen Mischmasch einstweilen vornehm zurück.

Doch ab dem konzentriert stimmungsvollen Intermezzo Early Nights fängt sich die Band und läuft zu ungeahnten Hochformen auf. Zumal es nun auch gelingt, das zuvor erratische Trial-and-Error(s) anhand von stichhaltigen Anknüpfungspunkten zu erden, wodurch die ganze Angelegenheit plötzlich und nachhaltig Sinn und Form für sich verbuchen kann. Wie geistig entfesselte Röyksopp auf Proto-Retro-Trip streifen Errors auf Dull Care Tangerine Dream-Gefilde (zu White Eagle-Zeiten), holen noch Oldfieldsche QE2-Chöre und Harmonien mit ins Boot, die sie bei Genuflection wieder um ein gutes halbes Jahrzehnt in die Wave-Disko vorversetzen.

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