Im heimischen Umfeld auf enger Flur weitgehend isoliert hat Nocturnus Horrendus, der Einzelkämpfer hinter Corpus Christii, mit Beharrlichkeit an einer Ausweitung seiner musikalischen Entfaltungsmöglichkeiten geschraubt. So wurde der Merger mit dem arrivierten Label Folter Records nach und nach zu einer überfälligen Angelegenheit, die mit Pale Moon (ab morgen) endlich Boden unter die Füße bekommen hat. Im Ergebnis liegt ein Manifest schwarzmetallischer Intensität vor, das mit souverän umgesetzten Ideen strotzt, ohne dabei die Grundfeste des konservativen Genres zu unterlaufen.

Corpus Christii: "Pale Moon" (Folter Records/NonStopMusic)
Corpus Christii: „Pale Moon“ (Folter Records/NonStopMusic)

Zwar sind Haltung und Aussage typisch geraten, doch verkneift sich des Satans Abgesandter aus dem einst erzkatholischen Portugal jegliche Form der pubertären Groteske. Schon die Covergestaltung untermauert diesen begrüßenswerten Verzicht auf vertrauenswürdige Weise. Doch spätestens wenn der vollmondige Einstieg Far Beyond The Light durch den Äther pflügt, verblassen Restvorbehalte wie Neumond am hellichten Tage.

Corpus Christii verbreitet eine häretische Lust an Abwechslungsreichtum, an Spannungskurven und (zumindest instrumentaler) Intonationsverschiebung. Gewollte Leerstellen der Songdramaturgie werden mit den Mitteln aus Bass und Thrash bombensicher gefüllt, wodurch sich der leidenschaftlich inspirierte Universalhass explosionsartig entladen kann, anstatt – wie ansonsten leider zu häufig – implodierend zu verpuffen.

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