Soeben ist bereits das sechste Album der französischen Multi-Instrumentalistin Cecile Schott unter dem Namen Colleen erschienen, Captain Of None (erstmals auf Thrill Jockey/Rough Trade). Minimal und sphärisch zugleich setzt das in ihrem eigenen Studio zu San Sebastian entstandene Werk einerseits den einst eingeschlagenen Weg fort, der ausgehend von jamaikanischen Einflüssen und Dub-Techniken sowie dem Klang der geliebten Gambe mal lieblich naiv anmutende, dann wieder den Geist stärker herausfordernde Eigenarten etabliert hat.

Colleen: "Captain Of None" (Thrill Jockey/Rough Trade)
Colleen: „Captain Of None“ (Thrill Jockey/Rough Trade)

Andererseits bemächtigst sich Cecile Schott nun einer stärker auf einzelne Elemente fokussierte Klangsprache, die dort eintauchen lässt, wo man sich im Vagen zuvor vielleicht noch verlaufen konnte.

Denn hätte man die letzten Colleen-Veröffentlichungen – einen weltoffenem Willen zur Schublade vorausgesetzt – noch als Ausdruck eines eigenartigen Verständnisses von ätherisch angehauchtem Dream-Pop klassifizieren können, kommt die Arbeit mit formalen Strukturen auf Captain Of None nachdrücklich zum Tragen. Gambe, Stimme, Delay und Echo stimmen in einen geradezu plastisch anmutenden Dialog ein, der mehr Aufmerksamkeit einfordert, als dies zunächst den Anschein haben mag.

Dennoch lässt sich auch mit Captain Of None ein Zustand der Entrücktheit mit Leichtigkeit provozieren, selbst wenn die Konstruktionsdetails auch ein analytisches Vernehmen billigen, so insbesondere bei dem minimal repetitiv sich verselbstständigenden This Hammer Breaks. Der insgesamt geerdete Vortrag geizt zwar nicht mit bemerkenswerten technischen Details oder dem klanglichen Experiment. Doch erweist sich Cecile Schrotts Vermögen, Intellekt und Gefühl gleichberechtigt anzusprechen, als das wesentliche Argument für die wiederholte (und dabei genussvolle) Einkehr in ihr mit einer starken Persönlichkeit ausgestattetes Refugium der Klänge magischen Vermögens.

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