WGT 2015 (Vorschau 5)

Extreme Qualitäten

Das Wave Gotik Treffen zeichnet sich auch in diesem Jahr wieder durch seine kaum zu übertreffende Bandbreite aus. So werden in musikalischer Hinsicht sämtliche Sparten und Spielarten bedient, die aus der Gotik-Bewegung im weitesten Sinne hervorgegangen sind oder musikhistorisch relevante Querverbindungen aufweisen. Und insgesamt von einem Facettenreichtum zeugen, der mitunter weit über jene Zirkel hinausweist, die an Pfingsten in Leipzig zusammenfinden, um sich im Zuge der zahlreichen Gastspiele miteinander zu verstehen und untereinander zu verständigen, im weiten Feld zwischen gemeinschaftlicher Nostalgie-Erfahrung und perspektivischer Standortbestimmung.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

in hoc signo frues (wave-gotik-treffen.de)

in hoc signo frues (wave-gotik-treffen.de)

„Aktuell haben 109 Künstler ihren Auftritt zugesagt“ meldet die Internetpräsenz des Treffens (Stand 8. April), doch bedarf es keinerlei prophetischer Fähigkeiten, um davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen noch weitere Attraktionen dazu beitragen werden, die gegebenen Rahmenbedingungen vollständig auszukosten. Wer sich mit der Materie auskennt, dem wird es trotz der alphabetisch neutral aufgeführten Programmpunkte kaum Mühe bereiten, die einzelnen Bands auf stilistische Schwerpunkte hin zu bündeln, wodurch auch der eigene Festival-Fahrplan recht konkrete Formen annehmen dürfte. Bedenkt man jedoch darüber hinaus, dass die musikalischen Darbietungen dem originären Sinn und Kern der Veranstaltung – dem des Treffens – als Rahmenprogramm lediglich zuarbeiten, wird auch die ideelle Tragweite des WGT in angemessener Form ersichtlich.

Die Verpflichtung von Acts wie Eisbrecher, einer Band, die nahezu sämtliche Szenefestivals des Sommers als Headliner dominiert, mag dabei weniger der Notwendigkeit geschuldet sein, anhand von merkantil veritablen Namen den Kartenverkauf zu dynamisieren. Vielmehr ist die Entscheidung, auch kommerziell extrem erfolgreichen Bands auf dem WGT eine (weitere) Plattform zu bieten als Signal zu verstehen: Eine Ausgrenzung findet nicht statt. Schließlich dürften Eisbrecher (um bei diesem Paradebeispiel zu bleiben) bei weiten Teilen des internationalen Publikums nicht als längst bekannt und omnipräsent vorausgesetzt werden. Und darüber hinaus tragen Acts, die allgemein ein großes Interesse auf sich ziehen, vielleicht sogar dazu bei, dass die Besucherströme auf den Parallelveranstaltungen noch geschmeidiger fließen. Somit sei allen gedient, und die Kritik an der Integration von vermeintlich allzu „großen“ Namen (Deine Lakaien, Mono Inc.) zurückgewiesen.

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