Märchenhafte Mystik – und doch alles ganz real

Stapelfeld. Ein wenig wirkt die Fotografie als hätte Frühromantik-Maler Caspar David Friedrich hier noch mal seinen Pinsel angesetzt. Mystisch und fantastisch mit einem Hauch Vergänglichkeit präsentiert sich die Lichtung auf dem Foto „Der Wald schweigt“. Nebelschwaden verzerren den Blick in die Weite, ein umgestürzter Baum liegt im Vordergrund. Ein Besucher staunt bei der Betrachtung des Motivs: „Das ist fotografierte Religiosität“. Und tatsächlich: Durch den Bildaufbau, der quasi auf die hellste Stelle in der Fotografie hinweist, erhält sie etwas Hoffnungsvolles, Erlösendes. Das Foto mit der Friedrich’schen Symbolik wirkt in seiner Komposition fast wie gemalt. Aber es ist eine Naturfotografie von Claudia Müller.

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Seit dem Wochenende zeigt die Katholische Akademie Stapelfeld einen Ausschnitt aus dem Werk der Fotografin mit dem Titel „Farben der Zeit“. Darunter sind viele faszinierende Aufnahmen, die den Blick wie gebannt in die Natur ziehen. Etwa auch das Bild „Tanz der Feen“, das eine Aura des Mystischen und Märchenhaften umweht. Durch den ausschnitthaften Blick in einen Birkenwald erhält das Motiv etwas Tänzelndes, Fragiles. Und durch die Mehrfachbelichtung wirkt das Birkenwäldchen fast durchscheinend. „Ein Traumbild hat Claudia Müller geschaffen, eine Seelenlandschaft, eine beseelte Landschaft“, sagt Kunsthistoriker Dr. Martin Feltes.

Ähnliches gilt auch für „Der blaue Wald“, der eigentlich in einer völlig unspektakulären Monokultur entstanden ist, der aber durch das Licht der blauen Stunde verzaubert wird. Dadurch erhält auch diese Fotografie etwas Mystisches, Geheimnisvolles, Transzendentes. „In der blauen Stunde, dieser Übergangszeit zwischen Tag und Nacht, zwischen Hell und Dunkel verwischen die Konturen, Farben fließen ineinander und Vertrautes wird fremd“, so Claudia Müller.

„Farben der Zeit“ sind Bilder einer Suche in der Natur, sind flüchtige Momente, die nur für den Augenblick der Aufnahme Bestand hatten, sind Orte, die zeitlos werden. „Fotografieren heißt beobachten, aneignen, teilhaben und, ganz wesentlich, sich selbst durch seine Bilder in Beziehung zur Welt setzen“, sagt Claudia Müller über ihre Leidenschaft.

Claudia Müller ist in Neubrandenburg/Mecklenburg-Vorpommern geboren und aufgewachsen. Seit Jahren ist sie mit der Kamera unterwegs – auf der Suche nach ihrem Bild von der Welt. Schwerpunkte ihres fotografischen Schaffens sind Natur- und Landschaftsfotografie sowie Stillleben. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Publikationen spiegeln die große Anerkennung ihres Werkes wider.

Die Ausstellung „Farben der Zeit“ von Claudia Müller wird noch bis zum 20. Mai in der Katholischen Akademie Stapelfeld, Stapelfelder Kirchstraße 13, 49661 Cloppenburg, gezeigt. Öffnungszeiten: Montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr, sonntags von 8 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Über Marie-Chantal Tajdel

Über Marie-Chantal Tajdel: Freie Journalistin/Autorin. Tätig für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen in Norddeutschland. Vorlieben: Querbeet von Klassik und Barock über Oper und Chormusik bis zu Alternative, Punk Rock und Metall - nur handgemacht muss die Musik sein. Außerdem eine Liebe zu Kunst, Literatur, Theater - und fürs Segeln.