MG ist Martin Gore

Solo für Skeptiker

Es wäre ein aufschlussreiches Unterfangen: MG (ab 24. April via Mute/GoodToGo) zur Blindverkostung darreichen und anschließend die Reaktionen auswerten. Parallel dazu könnten Wetten angenommen werden, wie hoch der prozentuale Anteil unter den unvoreingenommenen Hörern ausfallen würde, die Martin Gore als Urheber des Albums hätten identifizieren können. Zu wissen, dass Martin Gore hinter MG steckt, macht die Angelegenheit jedoch nicht minder spannend. Die oft bemühte Aufforderung zum Zuhören ohne Vorurteil erfüllt hier Sinn und Zweck.

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Martin Gore (Travis Shinn)

Martin Gore (Travis Shinn)

Depeche Mode einmal völlig außer Acht gelassen, bringt es das Solo-Schaffen des Herrn Gore auf gerade mal drei offizielle Veröffentlichungen. Die Coverversionen seiner Lieblingslieder unter dem Werktitel Counterfeit konnten – 1989 mehr noch als 2003 – mit einem erstklassigen Repertoire in eigenständiger Diktion nachhaltig punkten. Man denke nur an Gone, mit dem Martin Gore den sträflichst unterschätzten Comsat Angels quasi ein Denkmal setzte.

Vor drei Jahren konnte Ssss aufgrund der Erwartungshaltungen, die von der Kombination Vince Clarke und Martin Gore geweckt wurden, nur enttäuschen. Ein Techno-Album war nicht gerade das, was sich Fans von Erasure und Depeche Mode erhofften (was allerdings sicher nichts über die gegebene Qualität des Ergebnisses aussagt). Und was für Ssss galt, gilt nun auch für MG: Wer geschmeidiges Songwriting im Electro-Outfit erhofft, wird zumindest fremdeln, wenn nicht gar gleich achselzuckend aufgeben.

Doch das wäre ein verfrühtes Resignieren. MG ist ein Album, das eher in die Kategorie „lohnend“ gehört, als in die spitz geformte Rubrik „begeisternd“. Denn trotz des auf Transparenz ausgerichtete Sounddesigns macht es Martin Gore sich und seinen potenziellen Hörern alles andere als leicht. Vermutlich bewusst vermeidet er griffige Aufhänger – und stattet seinen Streifzug durch gut fünfzig Jahre elektronische U-Musik lieber im Modus mehrdeutiger Andeutung aus.

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