Über einen Zeitraum von fünf Jahren sind – von Bassist Laurence Cottle assistiert – unter der Ägide von Ex-Porcupine Tree Schlagzeuger Gavin Harrison (King Crimson a. Z.) raumgreifende Interpretationen von Porcupine Tree-Kompositionen auf Big Band-Basis entstanden. Ein Fest für Prog-Nerds, fürwahr. Selbst Steven Wilson zeigt sich überrascht und in höchstem Maße angetan von dem, was seinen Tracks da angetan wurde. Doch Cheating The Polygraph (ab morgen auf Kscope/Edel als CD/DVD) ist vor allem eine überfällige Verjüngungskur für die angestaubte Kultur der großen Bands.

Gavin Harrison: "Cheating The Polygraph" (Kscope/Edel)
Gavin Harrison: „Cheating The Polygraph“ (Kscope/Edel)

Die Idee ist so naheliegend wie genial: Warum nicht auf Basis der komplex-griffigen Track-Ästhetik von Porcupine Tree zurückgreifen, um Bläser- und Rhythmussektionen im großen Stil herauszufordern? Vom Korsett der Jazz- und Swing-Standards befreit und von progressiven Rockstrukturen herausgefordert, entfaltet hier eine Big Band das ihr eigene Potenzial, schöpft aus dem Vollen und findet so zu sich selbst.

Mit Nigel Hitchcock am Saxophon und einem Ensemble, das vor lauter Verve schier birst, ist mit Cheating The Polygraph ein Album gelungen, das wie dazu erschaffen scheint, ein gesamtes Genre wiederzubeleben. Denn bei aller Opulenz drängt sich umgehend der Wunsch nach „mehr“ auf. (Prog-) Rock als Inspirationsquelle für Big Band-Breite? Es funktioniert zu hervorragend, um eine Schwalbe im Frühjahr zu bleiben. Seit Zappa selig hat kaum einer die Idee des Jazz-Orchesters derart gefordert und gefördert wie Gavin Harrison mit diesem ausgezeichneten Streich. Ihm sei es gedankt, die WDR Big Band darf sich dem gerne anschließen.

PS: Porcupine Tree-Fans können sich anhand der Album-Video-Montage der Herausforderung stellen, die einzelnen Tracks zu identifizieren:
vimeo.com/117829686

gavharrison.com
facebook.com/drummergavinharrison

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert