Ars vivendi, ars moriendi - Moriarty

Fundstücke zu Epitaphien

Das ging aber flott: Nach dem letztjährig veröffentlichten Fugitives legen die französisch-amerikanischen Moriarty mit Epitaph (ab 8. Mai via Air Rytmo/Broken Silence) nach. Doch für ihren rasanten Workflow haben Sängerin Rosemary Standley und ihre fünf nicht minder hochmusikalisch veranlagten Herren eine gute Erklärung parat: Auf Epitaph verarbeiten sie jenes Material, dass sich mit den Jahren zu den unterschiedlichsten Anlässen und (Nicht-) Gelegenheiten angesammelt hat. Dass diese Aufbereitung von Fundstücken zu einem homogenen Ganzen führt, unterstreicht die Güte dieser im besten Sinne außergewöhnlichen Band.

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Moriarty: "Epitaph" (Air Rytmo/Broken Silence)

Moriarty: „Epitaph“ (Air Rytmo/Broken Silence)

Außergewöhnlich ist es jedoch nicht nur um das qualitative Niveau bestellt. Reiht man die Ausgangspunkte der auf Epitaph zusammengeführten Sessions zusammen, ergibt sich ein geradezu surreal anmutender Reigen: Vertonungen von Frauenschicksalen auf einem Speicher in den elsässischen Bergen (Milena, Maybe (A Little Lie)), eine Bearbeitung von Bulgakows „Der Meister und Margarita“ für eine französische Radio-Produktion (u. a. When I Ride, Out Of Control), die spontan lautstark intonierte Laune während einer City-Tour mit dem Velo durch Kyoto (Ginger Joe). Dazu gesellt sich verloren geglaubtes, auf Diktiergeräten vergessenes und zu alledem noch vollkommen neu entstandenes Material.

Kennzeichnend für den Duktus auf Epitaph, der die Heterogenität der Ursprünge harmonisiert, ohne die jeweiligen Eigenheiten abzuschleifen, ist eine Hinwendung ans süß (nicht süßlich) Morbide. Moriarty eben. „Wieder einmal waren wir selbst überrascht darüber, dass unsere Songs das Jenseits thematisieren, die Überschreitung von Grenzen zwischen den Welten und den unsichtbaren Tanz von Lebenden uns Geistern“, bestätigt Jimmy Moriarty diesen bleibenden Eindruck.

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