Eaves aus Leeds

Mit langem Atem

Mit der Debüt-EP As Old As The Grave gelang Eaves, Joseph Lyons aus Leeds, im vergangenen Jahr eine angenehmer Moment der Irritation: Wie konnte es diesem Jungspund gelingen, so dermaßen abgeklärt von jenen Dingen zu erzählen, die angeblich langjährige Erfahrungen einfordern, um sie sachgerecht auswerten zu können? Oder waren seine Gehversuche von der Erkenntnis beflügelt, dass man über post-pubertäre Einsichten ohnehin nicht hinausgelangt? Sein Album What Green Feels Like (Heavenly/[PIAS]Cooperative/Rough Trade) gleicht vorübergehende Altklugheit mit dem Mut zum langen Atem ab.

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Eaves: "What Green Feels Like" (Heavenly/[PIAS]Cooperative/Rough Trade)

Eaves: „What Green Feels Like“ (Heavenly/[PIAS]Cooperative/Rough Trade)

Live lässt der junge Mann im Grunge-Outfit keinerlei Zweifel an der Aufrichtigkeit, mit der er seine gewichtigen Lieder über Liebe, Tod und Trauer intoniert. Auf sich allein gestellt, löst allein sein Stimmvermögen jegliche Vorbehalte auf.

Umso lobenswerter, dass es ihm auf seinem Debütalbum gelingt, das authentische Moment trotz der stellenweise erstaunlich aufwändigen Produktion zu wahren.

Wer ein reduziert sprödes Album erwartet hat, der sieht sich von What Green Feels Like getäuscht. Indem großzügig weit gefasste Arrangements das Songmaterial bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit führen, werden Kontraste geschürt, die vor allem dem Impact der Passagen maximaler Blöße (Alone In My Mind) schmeicheln. Eaves weiß sehr genau, wie er nicht verstanden werden will. Vor allem nicht im schematischen Rundumschlag als vorhersehbar. Auch darum investiert er in einen langen Atem, in Aufbauarbeit und vor allem in Substrukturen, die seine Songs nicht auf die Schnelle erschließbar machen.

EAVES (Joseph Lyons) (Heavenly/[PIAS]Cooperative)

EAVES (Joseph Lyons) (Heavenly/[PIAS]Cooperative)

Mag auch das Monumentale (beim fast neunminütigen Purge auf die Spitze und noch ein Stückchen weiter getrieben) mit der Bescheidenheit des Singer/Songwriters kämpfen, so gebieten letztlich und vor allem die beziehungsreichen Texte jede Abweichung bei der Wahl der Mittel.
Wer sich die lohnende Mühe macht, die inhaltliche Spannbreite von Timber mit der von Hom-A-Gum zu vergleichen, der wird so manche Notwendigkeit nachvollziehen, die anzugehen Eaves nicht gescheut hat.

Eaves Live

19.05. Köln (Blue Shell)
20.05. Hamburg (Molotow Bar)
21.05. Berlin (Comet Club)

facebook.com/eaves

 

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