WGT Vorbericht (7)

Unpolitisch korrekt?

Während dieser Tage auf dem Kölner Acht Brücken Festival der Frage nachgegangen wird, ob – und wenn ja unter welchen Prämissen und Interdependenzen – (Neue) Musik eine politisch wirksame (also nicht bloß verwertbare) Rolle einnehmen und bespielen kann, nimmt das Wave Gotik Treffen in dieser Hinsicht eine neutrale Position ein. Sie geht einher mit der immanenten Verständigung der Schwarzen Szene auf eine erklärtermaßen unpolitische Haltung, die jedoch sporadisch zum Anlass für Anfeindungen genommen wird, deren Kritik sich entweder pauschal gegen die politische Enthaltung selbst, oder aber gezielt gegen die zumeist symbolisch geführte Subversion richtet, wie sie etwa in der heidnisch geprägten Ästhetik des Neo-Folk ihren Ausdruck findet.

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Auf sehr bald. WGT 2015 (wave-gotik-treffen.de)

Auf sehr bald. WGT 2015 (wave-gotik-treffen.de)

Es nutzt nichts, um den heißen Brei herumzureden: Bis vor wenigen Jahren sahen sich nicht nur Teile der Szene mit dem offenen Vorwurf konfrontiert, neben einer Art Weltflucht auch ein im weitesten Sinne faschistoides Gedankengut nicht nur zu tolerieren, sondern offensiv zu propagieren. Um sich die damalige Stimmung in den bürgerlichen Feuilletons und an den Stammtischen der Antifa zu vergegenwärtigen, sei darauf hingewiesen, dass etwa das Rock-Kabarett von Rammstein oder das tatsächlich hochpolitisch motivierte Schaffen des slowenischen Künstlerkollektivs Laibach – wenn schon nicht als proto-faschistisch (nazistisch, rassistisch…) – so doch zumindest als hochgradig suspekt und der dringenden Ablehnung bedürftig erachtet wurde. Im Zuge dessen sahen sich Besucher von weiteren missverstandenen und von außen übel beleumdeten Szenebands gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt, selbst das WGT blieb davon nicht verschont.

Mittlerweile hat sich die (medial gepushte) Aufregung gelegt. Selbst wenn Heino mit Rammstein in Wacken auf der Bühne steht, regt sich nur noch vereinzelt der Dünkel von Deutschtümelei und Schlimmerem. Derweil wurde in Teilen der Schwarzen Szene eine überwiegend sachliche, d. h. kaum polemische Diskussion geführt, in der versucht wurde, dem Gegenstand der Verdachtsmomente auf den Grund zu gehen. Ohne letztlich sämtliche Vorurteile ausräumen zu können und jedes potenzielle Missverständnis erklären zu wollen, scheint eine Korrektur der Außenwahrnehmung gelungen zu sein.

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